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Lehrrevier

Liebe Internet-Surfer,

seien Sie herzlich willkommen bei den 21.000 hessischen Jägerinnen und Jägern, Försterinnen und Förstern.
Unternehmen Sie mit dem Landesjagdverband (LJV) einen kleinen Streifzug durch die hessischen Reviere, lernen Sie Jagd, Wild und Natur zwischen dem Reinhardswald im Norden und dem Odenwald im Süden kennen. Hessen bietet als waldreichstes deutsches Bundesland vielen Wildarten eine Heimstatt. Rothirsch, Damhirsch und Reh, Wildschwein und Wildschaf (Mufflon) ziehen in den Mittelgebirgen und Flußauen ihre Fährte.


Der Feldhase tummelt sich noch flächendeckend in Wald und Flur, Wildkaninchen bevölkern selbst die Grünflächen in den Städten. Stockenten leben an den Gewässern, Reineke Fuchs breitet sich bis in die besiedelten Gebiete aus, und in der Hohen Rhön ist noch ein kleiner Bestand an Birkhühnern zuhause. Aber gehen Sie doch selbst auf unseren Internet-Seiten auf Entdeckungsreise.

Apropos Birkhühner - haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum der Bestand dieser Wildart so drastisch zurückgegangen ist, obgleich Birkhühner schon seit Jahrzehnten überhaupt nicht mehr bejagt werden? Und warum zugleich die Zahl der Wildschweine oder Füchse stark anwächst, obwohl die Jägerinnen und Jäger diese Wildarten intensiv bejagen?

Die Entwicklung des Lebensraums, die Veränderung der Biotope, entscheidet letztlich darüber, wie sich der Bestand einer Wildart entwickelt. Birkhühner und Auerhühner, die es noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts in Hessen häufig gab, finden in lichten Nadelwäldern mit reichlichem Kraut- und Beerenbewuchs und in Hochmooren alles, was sie zum Leben brauchen. Daneben benötigen diese "Raufußhühner" vor allem im Winter Ruhe. Aber die Wälder haben sich geändert, die Moore sind trockengelegt worden, und mit der Ruhe ist es wegen des Massenandrangs beim Wintersport dahin. Die Art, wie der Mensch heutzutage die Birkwildbiotope nutzt, hat dieser Wildart fast den Garaus gemacht.

Wildschweine profitieren dagegen von der modernen Landwirtschaft. Sie finden in den großen Mais- und Getreidefeldern reichlich Nahrung und bekommen deshalb mehr Nachwuchs als üblich. Im dichten, naturnahen Wald und in den vielen, nahezu undurchdringlichen Dickungen, die im vergangenen Jahrzehnt nach den großflächigen Windwürfen herangewachsen sind, finden die Schwarzkittel außerdem gute Versteckmöglichkeiten. Deshalb wächst ihr Bestand trotz der Bejagung wieder rasch an.

Das gilt auch für den schlauen Fuchs, dessen Tisch durch viele nahrhafte Abfälle und überfahrene Kleintiere ganzjährig reichlich gedeckt ist. Und seitdem Reineke jährlich mit Impfködern, die vom Flugzeug aus abgeworfen werden, gegen Tollwut geimpft wird, kann ihm auch diese tödliche Krankheit nichts mehr anhaben. Dafür breitet sich in dem überaus hohen Fuchsbestand der Fuchsbandwurm rapide aus, der wiederum die Gesundheit des Menschen gefährden kann, wenn dieser bestimmte Vorsichtsmaßnahmen nicht beachtet.

Wie Sie sehen, gibt es Tierarten wie Wildschwein und Fuchs , die von unserer heutigen Kulturlandschaft profitieren und sich verstärkt vermehren. Ihnen stehen andere Wildarten wie Birkhuhn und Auerhuhn gegenüber, deren Lebensbedingungen sich rapide verschlechtert haben.

Zu den Aufgaben des Jägers zählt es, den "Verlierern" der Kulturlandschaft zu helfen, nicht zuletzt durch die Verbesserung ihres Lebensraums. Zugleich soll er dafür sorgen, daß sich die "Gewinner" der modernen Landnutzung nicht auf Kosten der sensibleren Wildarten über Gebühr ausbreiten und obendrein noch schwere Schäden in Wald und Feld anrichten. Bei all' dem haben Förster und Jäger obendrein den Grundsatz der "nachhaltigen Nutzung" der Naturgüter zu beachten, der für Wald und Wild gleichermaßen gilt. Sie dürfen nur soviel nutzen, wie im Wald und in der Wildbahn nachwächst.

Das "Produkt" der hessischen Jagd kann deshalb auch jeder Nichtjäger genießen, ohne befürchten zu müssen, daß der Wildbestand über Gebühr dezimiert wird. Rund 2.200 Tonnen Wildfleisch erbeuten Hessens Jäger und Förster etwa pro Jahr - gesundes Fleisch von Tieren, die in Freiheit natürlich aufgewachsen sind und keine tagelangen Transporte quer durch Europa erdulden mussten.

Die hessischen Jäger und Förster gehen mit Freude zur Jagd. Sie erfreuen sich an der Natur, am Beutemachen und am wohlgelungenen Wildgericht. Vielleicht vermitteln Ihnen die Internet-Seiten ein wenig von dem, was eine Schulklasse nach einem Revierbegang mit einem Jäger durch Wald und Feld einhellig feststellte: "Ihr Jäger könnt ja viel mehr als nur schießen."

Ihr

Dietrich Möller,
Präsident des Landesjagdverbandes Hessen

Falls Sie weitere Fragen haben, schicken Sie eine kurze E-Mail an: info@ljv-hessen.de

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