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Das Lehrrevier "Am Jagdschloss Kranichstein"
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Kontakt: Lehrrevier des Landesjagdverbandes e.V. Am Jagdschloss Kranichstein Zeughaus, Kranichsteiner Str. 253 64289 Darmstadt-Kranichstein
Leiter: Matthias Roscher, Tel: 06151 96159-0, 0151 173 000 54 E-Mail: lehrrevier@ljv-hessen.de |
Das Lehrrevier des Landesjagdverbandes Hessen besteht seit September 1972. Es wurde unter seinem Präsidenten Werner Possmann gegründet, um den hessischen Jägern eine Möglichkeit zur Information und Fortbildung zu schaffen. Es bot sich an, das Lehrrevier mit dem historischen Jagdschloss Kranichstein – Inbegriff hessischer Jägertradition seit Jahrhunderten – zu verbinden. Die Forstverwaltung des Landes Hessen stellte einen 267 ha großen Teil der Regiejagd des Kranichsteiner Forstes am Stadtrand von Darmstadt zur Verfügung. Die Aufbauarbeiten und Leitung des Lehrreviers übernahm 1972 Wildmeister Günter Claussen, er wechselte dann zum 1. Juli 1983 in das W.u.H.-Versuchs- und Lehrrevier Lanze/Niedersachsen. Nachfolger wurde ab 1. Juli 1983 Wildmeister Artur Amann, der das Lehrrevier bis 2006 betreute.
Die Ausbildung der Jägerschaft zu fördern und zu verbessern, ist ein Hauptanliegen der Landesjagdverbände. Wer wollte dem widersprechen in einer Zeit voller Gegensätze und Angriffe auf Jagd und Wild. Kranichstein heute ist mit Sicherheit nicht mehr zu vergleichen mit den Aufbauarbeiten des Lehrreviers durch Wildmeister Günter Claussen. Wer zu damaliger Zeit das neu eingerichtete Lehrrevier besucht hat, wird es heute nicht wiedererkennen. Zu vieles hat sich hier "zwangsläufig", ohne Zutun der Lehrrevierleiter, zu Ungunsten des Wildes im Ballungsraum Darmstadt verändert. Wo in den 70-er Jahren noch Schwarzwild und Rehwild erfolgreich bejagt worden sind, ist der Boden inzwischen durch die entstandene Trabantenstadt Kranichstein bis zum Waldrand hin fast restlos versiegelt. Von den 267 ha Reviergröße sind heute nur noch ca. 220 ha übrig geblieben.
Und trotzdem unterhält der LJV Hessen dieses "Kranichstein" als Lehrrevier. Zu Recht oder zu Unrecht? Ein abgelegenes Revier als Lehrrevier aufzubauen, zu unterhalten und "Wildtierhege" zu betreiben, ist sicherlich einfacher als ein Großstadtrevier mit all seinen Unannehmlichkeiten.
Ausbildungszentrum "Zeughaus"
Für den
Lehrbetrieb mietete der Landesjagdverband im Zeughaus Lehrsaal und Lehrwerkstatt. Lehrsammlungen – Trittsiegel,
Parasiten, Losung, Gestüber, Gewölle, Embryo-Früchte, Lehrfilme etc. –
stehen den Ausbildern/Lehrgangsteilnehmern zur Verfügung. Es werden Lehrgänge für Raubwildbejagung und Fallenbau und Jagdaufseherlehrgänge abgehalten. Hinzu kommen die Lehrgänge für
Niederwildjäger, Jagd- und Naturschutz, Lehrgänge für Ausbilder und Hundeführer nicht
zuletzt die zahlreichen Führungen durch das Lehrrevier. Die Lehrwerkstatt
ist hervorragend
eingerichtet.
Von der Hobelmaschine über Kreis-, Band- und Kappsäge mit Rollbank und den
zusätzlich angeschlossenen Absauganlagen lässt sich gut arbeiten. Die
Maschinenbank ist ausgerüstet mit vier Markenbohrmaschinen, Schleifblock,
Schleifgeräte für Motorsägen. Hinzu kommen Schwing- und Bandschleifer,
Akkubohrer, Handhobel, Flex und Hebelblechschere. Die gute Werkstatteinrichtung
erlaubt es, dass zehn Lehrgangsteilnehmer an einem Tag ohne Mühe fünf
Kastenfallen fertig stellen. Hinter dem Zeughaus befindet sich der
"Fallensteig" und die "Lehrfasanerie". In einer
Mustervoliere werden verschiedene Jagdfasanarten und Rebhühner gehalten.
Ziel ist die Ausbildung der Jägerschaft in Bezug
Aufzucht und Haltung von Wildgeflügel, Naturbrut, Abgabe einer begrenzten
Anzahl von Zuchttieren bzw. Bruteiern. Hierzu werden spezielle Lehrgänge für
Niederwildjäger in der Aufzuchtzeit Mai/Juni abgehalten.
Das Lehrrevier
In dem 189 ha großen Waldteil des Lehrreviers kommen an Schalenwildarten Dam-, Schwarz- und Rehwild vor. Der Niederwildbesatz ist seit Jahren trotz Großstadtnähe stabil bis hoch, dies gilt besonders für den Hasenbesatz. Die Fuchsstrecke beläuft sich seit Jahren auf 10-14 Füchse je 100 ha! "Ein Tag in Kranichstein" sieht nach Anmeldung beim LJV etwa so aus: Die Besuchergruppen treffen gewöhnlich gegen 9.00 Uhr ein. Nach einer kurzen Einführung beginnt die Führung stets hinter dem Zeughaus am Fallensteig und Lehrrevierfasanerie. Vorbei am Jagdschloss – Schlossteich – geht es dann zu Fuß ins Lehrrevier.
Für den Rundweg über 4 km und 30 Stationen
benötigt man ca. 3 Stunden. Im Wald werden z.Zt. 15 Wildäsungsflächen in
enger Zusammenarbeit mit der Firma Appel, Darmstadt, bewirtschaftet. Dabei
handelt es sich durchweg um Versuchsflächen mit unterschiedlichen Mischungen
– vorwiegend Dauergrünland bzw. Blumenwiesen – die durch Hinweistafeln
besonders gekennzeichnet sind. Meist liegen diese Flächen entlang der
Hauptwege, erfüllen aufgrund der starken Beunruhigung bis weit in die Nacht
hinein zwar kaum den "Zweck der Wildschadensminderung" im Lehrrevier,
sondern dienen eher dem Besucher, der sich so "vor Ort" die ihm
zusagende Mischung ansehen und später im eigenen Revier aussähen kann. Für
die Versuchflächen wurden ungenutzte Holzlagerplätze ausgewählt und
ackerfähig hergerichtet. Sie erstrecken sich über eine Gesamtlänge von über
750 lfm und sind im Durchschnitt etwa 10 m breit. Als "Jagdschneisen"
erfüllen sie hier im Großstadtrevier kaum ihren Zweck, in
"Durchschnittsrevieren" könnten sie diesbezüglich sicherlich weit
besser genutzt werden. Hier gilt der Grundsatz: Jeden Quadratmeter als
Äsungsfläche nutzen, "Biotophege" zu betreiben, es ist der beste
Schutz für Baum- und Straucharten, Förderung der Krautschicht = Naturschutz in
der Praxis!
Sicherlich finden sich im Lehrrevier
jagdbetriebliche Einrichtungen wie Kanzeln, Ansitzleitern, Anstände, Schirme,
Fütterungen, Futtersilos, Tränken, Schütten, Suhlen. Sie dienen aber dem
"normalen Jagdbetrieb" im Lehrrevier und werden bei den Führungen am
Rande erwähnt, wobei es bei den Hochsitzen mehr um die Sicherheit geht, die
Bauweise spielt eine untergeordnete Rolle, schließlich hat jeder Jäger in
seinem Revier "sein Modell" und glaubt, es sei unübertroffen! Die
größte Wildäsungsfläche im Lehrrevier ist die "Schaubertswiese"
mit einer Größe von 2,39 ha. Auf der "verwilderten Waldwiese"
entstand in den 70-er Jahren die erste Wildäsungsfläche mit einem
Wildackeranteil bis zu 0,75 ha.
Heute beträgt der Wildackeranteil "nur" noch ca. 2000 qm und ist als Demonstrationsfläche mit Topinambur bestellt. Durch die umfangreichen Pflegemaßnahmen – zurückdrängen der Schilfpartien bis auf eine schmale Pufferzone zum Weg hin – entstand innerhalb weniger Jahre eine einzigartige Blumenwiese mit seltenen Pflanzen wie Knabenkraut, Wollgras, Blut- und Gilbweidrich, Sumpfstendelwurz, Sumpf-Herzblatt, Herbstzeitlose, um nur wenige zu nennen. Zusätzlich wurde am westlichen Rand ein Amphibienteich angelegt.
Wenn die Lehrgangsteilnehmer von der "Schaubertswiese"
in den 37 ha großen Feldteil zwischen Bahnlinie und Stadtrand gelangen, haben
sie Einblick auf eine 0,88 ha große Feldholzinsel, in ihr liegt ein
"Kunstbau", Fasanenschütten und ein angrenzender
"Niederwildacker".
Als letzte Station auf dem Rundweg ist der
Wildacker "Feldschneise" zu nennen, von der "Feldholzinsel",
Schilfzone, Topinamburparzelle, Ackerrandstreifen, Luzerneschlag,
Dauerlupinenfeld, spezielle "Wildgeflügelmischungen" findet der
Niederwildheger alles, was er in seinem Revier später in die Praxis umsetzen
kann. Zum Wald hin liegt das
Vogelschutz-Lehrgehölz mit mehr als 50
verschiedenen Baum- und Straucharten, sicherlich neben der Lehrfasanerie die
Hauptattraktion des Lehrreviers. Wenn die Besuchergruppen nach ca. 3 Stunden
wieder am Zeughaus angekommen, ist die Luft endgültig raus.
Nach einer gemütlichen Mittagspause eröffnen sich den Besuchergruppen weitere Möglichkeiten der jagdlichen Fortbildung, wie die Besichtigung des Jagdschlosses Kranichstein oder des "Jagdkundlichen Lehrpfades", welcher über das Wildschutzgebiet Kranichstein in das "Lehrrevier" zurückläuft.
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