Vorwort im Hessenjäger, Ausgabe August 2010, von Dietrich Möller, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen

     

 

Liebe Jägerinnen und Jäger!

Not macht erfinderisch, eine alte Spruchweisheit, die in Zeiten schwacher Kassen fröhliche Urstände feiert.

Wie sonst kommen Kommunen auf die Idee, neben der schon erhobenen Unrechtssteuer Jagdsteuer, nun auch noch eine „Waffensteuer“ zu erheben? Dazu kommen in sehr unterschiedlicher Weise die Gebühren für die Kontrolle der Waffenaufbewahrung.

Politik hat scheinbar die Melkkuh Jagd durch neue Abmelkmethoden wieder einmal neu entdeckt. 100.-- € pro Waffe, da es nur die legalen sein können, bringen viele Millionen in die Kasse.

Alle reden von Steuergerechtigkeit, hier kommt sie mal wieder voll unter die Räder.

Wir, der DJV und die LJV´s, prüfen zurzeit mit unseren Partnern, ob es überhaupt eine Rechtsgrundlage für diese Steuer, Gebühr oder Abgabe gibt. Dass wir uns mit aller Kraft wehren, ist selbstverständlich.

Wenn es, wie behauptet, um eine Reduzierung der Zahl der Waffen geht, ist eine Steuer wohl nicht der richtige Weg. Dann wäre eine Abwrackprämie sicher der bessere Weg. Und dann könnten auch die illegalen Waffen abgeliefert werden.

Polizei, Wachdienste, Geld- und Wertsachentransporteure, um nur einige zu nennen, benötigen Waffen zur Ausübung ihres Dienstes. Jäger benötigen Waffen zur Ausübung einer waid- und tierschutzgerechten Jagd. Auch wir nutzen Waffen um einen Gesetzesauftrag zu erfüllen. Sportschützen, bis hin zur Olympiade, nutzen Waffen zur Ausübung einer legalen Sportart.

Wer sonst macht die Nachsuchen nach Verkehrsunfällen? Wer sonst bekämpft die Schweinepest und andere Seuchen? Wer sonst regelt das Verhältnis von Arten durch Lebensraumgestaltung und sachgerechte Bejagung?

Steuer zahlt man in der Regel von und für Erträge oder Einkommen. Das gilt wohl nicht für Jäger und Sportschützen.

Aber wir leben wohl in Zeiten, die das richtige Augenmaß und die Gerechtigkeit nicht mehr als oberstes Ziel anerkennen.

Das Verfahren vor dem „Europäischen Gerichthof für Menschenrechte“, es geht um die Mitgliedschaft in Jagdgenossenschaften und das Reviersystem, ist ja auch so ein Baustein für die Zerschlagung der Jagd.

Dazu kommt die seltsame Diskussion „Der Wald-Wild-Konflikt“. Es ist schlimm, dass man heute alles in Frage stellen kann, ohne eine vernünftige Alternative als Lösung vorzuschlagen.

Der „große braune Rindenfresser“ und der „kleine Knospenverbeißer“ waren schon oft Anlass zu Streitigkeiten. Dass aber der Forst selber und andere Nutzer viel mehr an Schäden und Problemen beteiligt sind, soll lieber nicht zur Kenntnis genommen werden. Außer Tod dem Wild, fällt den Autoren nicht viel ein.

Dabei geben Jäger, Waldbesitzer und Landwirte die besten Beispiele vor Ort, wie man solche Probleme einer sinnvollen Lösung zuführt, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Der Leitfaden „Rotwild in Hegegemeinschaften“ in Hessen ist nur eines der positiven Beispiele. Weiter gilt aber auch: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Über die Stiftung „Natur und Mensch“ arbeiten wir weiter auf, welche Lebensgemeinschaften mit welchen Mitteln gefördert werden können. Die Leitart Rotwild steht am Anfang dieser Lebensgemeinschaften.

Oft werde ich gefragt: Haben wir denn nur Rotwildjäger? Dann ist es oft nicht leicht zu erklären, in welcher Weise wir uns mit dem Niederwild beschäftigen.

Agrarumweltprogramme sind nur mühsam auf den Weg zu bringen, meist scheitern sie an der Finanzierung. Berichte darüber sind im „Hessenjäger“ nachzulesen.

Im Jahr der Biodiversität stehen alle Arten in Feld und Wald gleichberechtigt nebeneinander. Wir bemühen uns, im Rahmen der rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten unseren Beitrag als Jäger und Naturschützer zu leisten. Ich erinnere an die Aktionen und Veranstaltungen beim letzten Landesjägertag in Bad Nauheim.

Hessen, in der Mitte Deutschland’s ist von Ländern umgeben, bei denen es jagdpolitisch zuweilen sehr kontrovers zugeht:

In Thüringen u.a. Jagdzeiten, in Bayern Wald vor Wild und heftiger öffentlicher Streit zwischen Jägern, Förstern und Landesregierung, in Baden Württemberg Waffensteuer und Gebühr für Kontrollen, in Rheinland- Pfalz und Saarland die Jagdgesetze mit den oft völlig falschen und nicht nachvollziehbaren Regelungen.

Wenn man das zur Kenntnis nehmen muss, leben wir in Hessen noch im jagdpolitisch gelobten Land. Das kann so bleiben, wenn in dem zu novellierenden Jagdgesetz die Veränderungen wie besprochen und verhandelt nachvollzogen werden. Dazu gehört, dass das gute Verhältnis zwischen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wein- und Gartenbau weiter erhalten bleibt.

Probleme tauchen immer wieder auf. Eine Lösung wird es aber nicht geben, wenn durch Pressekampagnen nicht verhandelbare Positionen aufgebaut werden.

Zu klagen, dass früher alles besser war, hat noch nie zu ertragbaren Ergebnissen geführt.

Unser Umfeld verändert sich ständig. Auch wir müssen uns anpassen. Dabei dürfen aber Aufgabe und Ziel nicht verloren gehen. Der Einzelne wird mit seinem Problem nicht fertig werden. Ganz persönliche Vorstellungen und Wünsche werden oft den gemeinschaftlichen Vorstellungen weichen müssen.

Wir haben als gelernte Handwerker in der Natur gute Karten in diesem Spiel. Das müssen wir durch Taten, die wir öffentlich machen, immer wieder neu belegen.

Es bleibt dabei: Wenn wir vor Ort gute Arbeit leisten, ist das das beste Argument für unser Anliegen Jagd. Der Verband braucht diesen Unterbau damit er politisch argumentieren kann.

Ich wünsche uns gute engagierte Freunde und gute Zeiten.

Mit besten Grüßen und Waidmannsheil

Dietrich Möller

 

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