Pressetipp für August 2010
- Thema des Monats -

Marderhund breitet sich auch in Hessen aus

Anfang der 60-er Jahre überschritt der gedrungene, fuchsgroße Eindringling mit dem graubraunen, zotteligen Balg im Emsland die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland. Bald danach hatte er auch Hessen erreicht. "Den Marderhund bekommt kaum ein naturentfremdeter Stadtmensch jemals zu Gesicht. Dennoch breitet sich dieser heimliche Räuber, der nur nachts auf Beutezug geht, zusehends zwischen Spessart und Reinhardswald aus", berichtet der Pressesprecher des Landesjagdverbandes Hessen (LJV), Dr. Klaus Röther, in einer Pressemitteilung.

Der Marderhund, der neben pflanzlicher Kost auch Fische, Kröten, Frösche, Junghasen sowie Vogeleier und -junge nicht verschmäht, habe in Deutschland keine natürlichen Feinde mehr. Deshalb sei zu befürchten, dass der expansionsfreudige Beutegreifer zusätzlich zu Waschbär, Fuchs, Dachs und Marder die heimische Tierwelt beträchtlich dezimiere. "Knapp 10,000 Marderhunde sind bis Mitte der 50-er Jahre in der Ukraine und anderen Ländern der Sowjetunion ausgesetzt worden, weil man das Tier verstärkt bejagen und seinen warmen Pelz für Winterkleidung nutzen wollte", erläutert der LJV-Pressesprecher. Der Enok, wie das bis zu 12 Kilogramm schwere und 80 Zentimeter lange Tier auch genannt wird, war ursprünglich nur in Südostasien zuhause.

Nach den Aussetzaktionen trat der anpassungsfähige Räuber, der mit Vorliebe Laub- und Mischwälder sowie bewuchsreiche Gewässer-Ufer besiedelt, seinen unaufhaltsamen Siegeszug nach Westen an. Das milde mitteleuropäische Klima und der Anstieg der Durchschnittstemperaturen könnte nach Röthers Worten seine Ausbreitung noch begünstigt haben. Der Hundeartige gräbt einen unterirdischen Bau mit nur einer Zugangsröhre, in dem er im Frühjahr acht bis zehn Junge aufzieht. Diese hohe Vermehrungsrate fördert seine rasche Verbreitung. Die Ranzzeit des Enoks fällt in den Februar und März. Der Rüde stößt dann nachts langgezogene, heulende Schreie aus, um die Weibchen anzulocken.

Sobald der Nachwuchs im Juli selbstständig geworden ist, verlassen Elterntiere und Junge den Bau und verbringen den Tag in ausgepolsterten Lagern in Schilf und Röhricht, im dichten Dickicht oder in Strohhaufen und Heumieten. Im Winter zieht es den Enok zurück in den Bau, den er bei stärkerem Frost oft wochenlang nicht verlässt. Bei milderen Temperaturen geht er jedoch auch im Winter auf Nahrungssuche.

"In Hessen zählt der Enok zum jagdbaren Wild. Hier kamen 2009 allerdings nur 15  Marderhunde zur Strecke", berichtet der Jagdverbandssprecher. Aufgrund seiner heimlichen Lebensweise bekämen die Jäger diesen nachtaktiven Räuber nur selten zu Gesicht. Während der Aufzucht seiner Jungen genießt auch dieser Faunenfremdling Schonung.

Aus den neuen Bundesländern kommen nach Röthers Angaben jedoch inzwischen alarmierende Streckenzahlen von über 10.000 Marderhunden, die ein rapides Anwachsen des Enok-Bestandes signalisierten. Der Wildbiologe Professor Zygmunt Pielowski berichtet zudem laut Röther aus seinem Heimatland Polen, dass dort durch den räuberischen Einfluss des Marderhundes die Zahl der Wasservögel drastisch sinkt und die Auerhuhn- und Birkhuhnbestände buchstäblich zusammenbrechen. Deshalb sollten die hessischen Jägerinnen und Jäger diesen anpassungsfähigen Beutegreifer intensiv bejagen, um seinen negativen Einfluss auf die heimische Tierwelt strikt zu begrenzen.

Dr. Klaus Röther

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