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Pressetipp für
November 2009
- Thema des Monats -
Die
Brunftkämpfe der Muffelwidder hallen im herbstlichen Wald wider
Nur wenige Naturfreunde haben dieses
eindrucksvolle Schauspiel schon in Hessens freier Wildbahn beobachtet. Mit
gesenkten Häuptern prallen die Muffelwidder mit ihren runden Hörnern
gegeneinander, weithin ist das Krachen zu hören. Im Kampf um die Schafe setzen
die Widder im November während der Brunft ihren massiven Kopfschmuck, den der Jäger
bildhaft „Schnecken“ nennt, gegenüber ihrem Nebenbuhler als Waffe ein -
solange, bis der Schwächere das Feld unfreiwillig räumt.
Das Muffelwild, auch Mufflon genannt, kommt
in Hessen auf derzeit rund fünf Prozent der Landesfläche vor. Auf etwa 1000
Tiere schätzt der Naturschutzreferent des Landesjagdverbandes Hessen (LJV),
Rolf Becker, die Gesamtzahl dieser Wildart in Hessen. Ein Vergleich verdeutlicht
die Proportionen: Zirka 240.000 Rehe ziehen - mit Ausnahme der Siedlungsgebiete
- flächendeckend in Wald und Feld ihre Fährten.
Wie Knochenfunde beweisen, waren die Muffel während
früherer Klimazonen auch in ganz Mitteleuropa verbreitet. Im 19. Jahrhundert
beschränkte sich ihr Vorkommen allerdings vorwiegend auf Sardinien und Korsika.
Von dort wurden die Wildschafe allmählich wieder in Deutschland und dessen
Nachbarländern eingebürgert. Wanderer und Erholungssuchende freuen sich darüber,
die Mufflons beobachten zu können, wenn diese am helllichten Tag ihre Nahrung
suchen. Denn die meisten heimischen Wildarten wagen sich wegen ständiger Störungen
nur noch bei Nacht ins Freie. Die Muffel, die sehr gut sehen können, stoßen
erst dann ihren Warnpfiff aus und verschwinden im dichten Wald, wenn ihnen der
Mensch allzu nahe auf den Leib rückt.
Der Anblick der Mufflons erfreut auch die Jäger,
ihr sehr schmackhaftes Fleisch und die seltene Trophäe sind begehrt. In so
genannten Muffelwild-Hegegemeinschaften setzten die Jäger und Grundeigentümer
die Abschusshöhe nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit so fest, dass nur der jährliche
Zuwachs geschossen und der Bestand nicht ausgerottet wird.
Weniger Freude haben mitunter die
Waldbesitzer an den Wildschafen, gibt es doch auch einige Bestände, die die
Rinde von den Bäumen fressen und dadurch wirtschaftlichen Schaden verursachen.
Wildbiologen führen diese „Schälschäden“ an Waldbäumen vor allem darauf
zurück, dass sich die Mufflons bei unbeobachteten „Seitensprüngen“ mit
Hausschafen eingekreuzt und dadurch deren Vorliebe für Baumrinde genetisch übernommen
haben.
Das Wildschaf, dessen männliche Form dem
Sternbild Widder Pate stand, ist folglich mancherorts selbst zwischen die „Hörner“
widerstreitender Interessen geraten. Dabei setzt sich der LJV eindeutig für den
Erhalt des Muffelwildes in Hessen ein.
Dr.
Klaus Röther
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