Pressetipp für September 2009
- Thema des Monats -

Jagdverband fordert "Grünbrücken"  für Hirsche, Wildkatze und Luchs

 Autobahnen bilden für Wildtiere unüberwindliche Barriere und tödliche Falle

 

"Grünbrücken" sollen es den Hirschen ermöglichen, während der herbstlichen Brunft Fernstraßen und Bahntrassen unversehrt zu überqueren, und damit den ungehinderten Gen-Austausch zwischen den 20 hessischen Rotwildgebieten sicherstellen. „Straßenbauverwaltung und Raumplanung müssen die uralten Fernwanderwege des Rotwilds durch den Bau von ,Bio-Brücken' sichern", fordert der Landesjagdverband Hessen (LJV) in einer Pressemitteilung. Sonst könne der Brunftschrei der Hirsche im herbstlichen Wald langfristig ganz verstummen, erklärt LJV-Pressesprecher Dr. Klaus Röther. Aber auch für Wildkatze und Luchs, die sich in Hessen wieder ausbreiten, stellten diese mit Bäumen und Sträuchern bepflanzten Brücken eine „Überlebenshilfe“ dar.

 

"Diese Überführungen müssen vorrangig über die Autobahnen A 5 bei Alsfeld (Vogelsbergkreis), A 7 bei Hünfeld (Landkreis Fulda) und an den Neubautrassen der A 44 Kassel-Eisenach, der A 66 Frankfurt-Fulda sowie an der ICE-Trasse Köln-Frankfurt gebaut werden", fordert der Naturschutzreferent des Jagdverbandes, Rolf Becker. Stark befahrene Verkehrswege bildeten für Hirsche und andere Wildtiere eine fast unüberwindliche Barriere.

 

Außerdem ereigneten sich an den Stellen, wo Fernwanderkorridore des Rotwilds Verkehrstrassen kreuzten, häufig schwere Wildunfälle. Jährlich fielen rund 200 Hirsche und weibliche dem Straßenverkehr zum Opfer. Die Grünbrücken kommen nach Beckers Worten aber auch sehr seltenen Wildarten wie Wildkatze und Luchs sowie Rehen, Wildschweinen, Fuchs und Dachs und sogar Kleintieren wie Haselmäusen, Heuschrecken, Laufkäfern und Fledermäusen zugute.

 

"Dem Rotwild droht eine genetische Verarmung, wenn es zur Brunft nicht mehr zwischen seinen Einstandsgebieten in den Mittelgebirgen hin- und her wechseln kann", warnt Röther. Der eingeschränkte Austausch des Erbguts könne körperliche Missbildungen, Fitnessverlust und Verhaltensänderungen bewirken. Zudem falle es dann "unserem größten freilebenden Säugetier zunehmend schwerer, sich wandelnden Umweltbedingungen anzupassen und sein Überleben langfristig zu sichern."

 

Ferner fordert Röther, dass das hessische Umwelt- und Forstministerium die insgesamt 630.000 Hektar großen Rotwildgebiete nicht weiter verkleinert. "Früher waren die Hirsche in Hessen fast flächendeckend verbreitet, heute werden sie nur noch auf rund 29 Prozent der Landesfläche geduldet", kritisiert der LJV-Sprecher. Zusätzlich müssten junge Hirsche und weibliche Tiere vermehrt geschont werden, wenn sie die offiziellen „Rotwildreservate“ verließen.

 

Bisher gilt für diese Tiere außerhalb der Rotwildgebiete ein Abschussgebot, mit dem die Forstverwaltung die weitere Ausbreitung dieser Wildart verhindern will. Denn Hirsche fressen auch die Rinde von Waldbäumen und richten damit Schäden in der Forstwirtschaft an. Röther: „Deshalb sollen jetzt mehr Hirsche und vor allem Hirschkühe geschossen werden.“

 

Wer die Hirschbrunft im September hautnah erleben will, sollte sich nach Röthers Angaben an einen der großen Tierparke des Landes Hessen wenden. Dort spielt sich das Brunftgeschehen in naturnaher Umgebung unmittelbar vor den Augen der Besucher ab.

 

Dr. Klaus Röther

 

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