Pressetipp für August 2009
- Thema des Monats -

„Automarder“ haben Kabel und Schläuche zum Fressen gern

Während der Paarungszeit im August  beissen die Raubtiere besonders oft im Pkw-Motorraum zu

 Er hat das Autokabel einfach zum Fressen gern: der Steinmarder.

Über 10.000 Mal sucht das auf den ersten Blick recht possierliche Raubtier jährlich in Hessen die Motorräume von Autos auf und richtet in diesem Bundesland einen Schaden von insgesamt rund drei Millionen Euro an. Im August ist das Risiko, dass der Kulturfolger zum Leidwesen der Pkw-Besitzer Fahrzeugteile anknabbert, besonders hoch. Nicht jedoch aus Liebe zum Auto, sondern aus Eifersucht auf seine männlichen Artgenossen. Darauf weist der Landesjagdverband Hessen (LJV) hin.

Vor und während der Paarungszeit, die Ende Juli beginnt und sich bis Mitte August hinzieht, verteidigen die nachtaktiven Tiere sehr aggressiv ihr angestammtes Revier gegen Rivalen. Hat es sich ein Nebenbuhler im Motorraum eines Autos gemütlich gemacht, riecht das der Marder sofort. Seine Wut über den Eindringling lässt er dann an Fahrzeugteilen aus, an denen der Rivale seinen Duft hinterlassen hat. Damit signalisiert der „fremde“ Marder seinen Anspruch auf das angestammte Revier des darin heimischen Artgenossen und auf dessen „Harem“.

In der Regel attackiert der Pelzträger Zündkabel, Kühlwasserschläuche oder Antriebs- und Lenkmanschetten, aber auch Bremsleitungen. Die Autos von Pendlern sind besonders oft betroffen, da sie durch häufigen Ortswechsel in vielen fremden Marderrevieren parken. Doch nicht nur die Männchen zeigen Zähne: Angebissene Kabel können auch ein Indiz für einen tierischen Zickenkrieg sein. Im Jahr 1978 wurde der erste Marderschaden am Auto aktenkundig, und zwar in der Schweiz. Schäden durch die vierbeinigen Gummi-Gourmets sind inzwischen stark angestiegen. Laut  Gesamtverband der   wurden 2007 über 180.000 Schadensfälle allein in Deutschland reguliert - knapp ein Drittel mehr als im Vorjahr. Die jährlich ausgezahlte Versicherungssumme liegt bei etwa 40 Mio. Euro.

Zur Marderabwehr besonders geeignet ist ein relativ feinmaschiger Draht (wie der Maschendraht für Kaninchenställe), der auf einem viereckigen Holzrahmen befestigt wird. Dieser mit Draht bespannte Rahmen wird zwischen den Vorderrädern des Autos auf dem Boden unter die Karosserie geschoben; er muss zumindest die Fläche unter dem Motorraum gut ausfüllen. Denn die Marder meiden den Draht strikt, weil er in ihre Fußsohlen einschneiden würde. Außerdem wippt das preisgünstige Drahtgeflecht beim Betreten und bietet dadurch keinen sicheren Halt.

Abhilfe schafft auch ein elektrisches Abschrecksystem, das nach dem "Weidezaunprinzip" arbeitet und von einigen Autoherstellern angeboten wird. Strom führende Kabel und Plättchen werden an allen Zugängen des Motorraumes angebracht. Versucht der Marder einzudringen, erhält er einen leichten Elektroschlag und sucht das Weite. Hausmittel wie WC-Steine, Hundehaare, aber auch Ultraschallgeräte haben sich als eher wirkungslos erwiesen. Hat der Marder bereits erste Verbissschäden unter der Motorhaube angerichtet, empfiehlt der Jagdverband  eine gründliche Motorwäsche, um die Duftspuren der Marderrüden zu  entfernen.  

In der Regel kommt die Teilkaskoversicherung für Marderschäden am Auto auf - jedoch nur dann, wenn diese rechtzeitig erkannt werden. Folgekosten, die durch einen Unfall entstehen, werden nur ersetzt, wenn eine Vollkaskoversicherung vorhanden ist. Wichtig ist daher, vor der Fahrt auf Warnsignale wie herumliegende Gummi- oder Kabelteile oder ausgelaufene Flüssigkeit zu achten.

 Die Marderschäden häufen sich, weil sich der Pelzträger immer häufiger selbst in den Städten auf Dach- und Garagenböden, in Gartenhäusern und in sonstigen Unterschlüpfen wohl fühlt und durch Stadttauben, Singvögel und Kleintiere einen reich gedeckten Tisch vorfindet. In seinem Unterschlupf hinterlässt der gewandte Kletterer – meist an unzugänglichen Stellen – übelriechenden Kot. In besiedelten Gebieten kann der Pfotengänger verständlicherweise nicht mit der Schusswaffe bejagt werden. Dort dürfen Personen, die in einem Fangjagdkurs eine spezielle Ausbildung absolviert haben, nur unversehrt fangende oder sofort tötende Fanggeräte zum Marderfang einsetzen. Dabei muss jedoch die Schonzeit des Raubtiers während der Aufzucht seiner Jungen strikt beachtet werden.

1530  Steinmarder kamen im Jagdjahr 2007/2008 in Hessen zur Strecke, ihr  wurde Balg für hochwertige Pelzmützen, -jacken und –mäntel verwendet. Diese modischen Bekleidungsstücke bilden ein Stück Natur. Anders als die weit verbreitete „Kunstfasermode“ müssen sie später einmal nicht als Sondermüll entsorgt werden.   

Dr. Klaus Röther

 

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