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Pressetipp für
Januar 2009
- Thema des Monats -
Störungen und Dauerstreß
setzen den Wildtieren zu
In Waldgebieten mit intensiver Naherholung sind die Wildtiere besonders anfällig für Parasiten und Krankheiten
Wenn
Wintersportler, Erholungssuchende und freilaufende Hunde Rehe häufiger stören,
dann macht dieser Dauerstreß die Wildtiere krank. Feldhasen werden von Feldern
und Wiesen, die großflächig für den Hundeauslauf genutzt werden, sogar
dauerhaft vertrieben. Auf diese Ergebnisse der wildbiologischen Forschung weist
der Landesjagdverband Hessen (LJV) in einer Pressemitteilung hin.
LJV-Pressesprecher Dr. Klaus Röther
bittet deshalb Hundebesitzer sowie Wald- und Feldbesucher,
mehr Rücksicht auf die wildlebenden Tiere zu nehmen und auf den
befestigten Wegen zu bleiben.
„In
Waldgebieten wie Taunus, Spessart, Odenwald, Rhön oder Vogelsberg, die intensiv
zur Naherholung genutzt werden, werden Rehe viermal häufiger von Lungen- sowie
Magen- und Darmwürmern befallen als in ungestörten Waldbereichen“, teilt Röther
mit. Wildbiologen erklärten dies mit dem Dauerstress, dem die Tiere durch die
ständigen Störungen ausgesetzt seien. Diese Belastung mache die Rehe besonders
anfällig für Krankheiten und den Befall mit Parasiten.
„Gewichtsverlust
und Mangelerscheinungen sind für
das Wild die unmittelbare Folge“, betont der LJV-Pressesprecher. So erzielten
Rehböcke in störungsarmen Wäldern ein Durchschnittsgewicht von rund 20
Kilogramm, während sie in stark frequentierten Waldgebieten nur 15 Kilo
erreichten. Langjährige Forschungen belegten zudem, dass rund 45 Prozent der
Todes- und Krankheitsfälle bei Rehen auf die starke Belastung mit Parasiten
sowie Entzündungen des Magen- und Darmtraktes zurückzuführen seien. Ferner
steige die Herzfrequenz eines Rehs bei Störungen von 80 auf bis zu 240 Pulsschläge
pro Minute.
„Wird
das Wild an seinen Schlaf- und
Ruhestätten gestört, verfällt es nach den Erkenntnissen der Wildbiologie
regelrecht in Panik“, berichtet Röther. Werde beispielsweise ein Reh von
einem Hund aus seinem vertrauten Tagesversteck gehetzt, „dann dauert es bis zu
zwei Tage, bis es wieder dorthin zurückkehrt“. Hirsche werden durch
Wintersportler daran gehindert, als Wiederkäuer ihrem natürlichen
Nahrungsrhythmus nachzugehen, Rehmütter unterbrechen nach Angaben des
LJV-Sprechers im Sommer bei Störungen das Säugen ihrer Kitze. Dies beeinträchtige
den Stoffwechsel des Wildes, das zudem im Spätwinter von den Reserven zehren müsse,
die es sich im Herbst angefressen hat. Röther: „Wenn im Winter in der Rhön
die vom Aussterben bedrohten Birkhühner von Skifahrern abseits der Pisten und
Loipen öfter aufgescheucht werden, gehen sie zwangsläufig an Entkräftung
ein“.
Außerdem
wachsen laut Röther nach der „Eiruhe“
genannten Winterpause ab Februar rasch die Embryos der Rehkitze heran. Die trächtigen
Ricken benötigen dann besonders viel Ruhe und werden durch den Nachwuchs so
schwerfällig, dass sie vor hetzenden Hunden oft nicht mehr schnell genug
fliehen können. In
den hessischen Wäldern und Fluren leben nach Schätzung des Jagdverbands
etwa 200.000 Rehe, von denen im Frühjahr zirka 50.000 trächtig sind.
Das
Wild versteckt sich
nach Röthers Worten aufgrund häufiger Störungen verstärkt in den
Dickungen und Kulturen und frißt dort vermehrt Baumrinde und junge Knospen:
„Hohe Schäden an den jungen Waldbäumen sind die fatale Folge.“
Ein
Waldbesucher sei zwar schon nach wenigen Sekunden aus dem Sichtfeld eines Rehs
oder Hirsches entschwunden. „Aber die Duftspur des Spaziergängers und seines
Hundes“, betont der Pressesprecher, „wirkt auf das Wild noch Stunden später
als unsichtbare Störung nach.“ Dieser Vertreibungseffekt gelte insbesondere
auch für Felder und Wiesen, die in der Nähe von Siedlungen häufig als
Hundeauslaufplatz genutzt würden. Dort macht sich der Feldhase nach Angaben des
LJV-Sprechers „schon bald endgültig aus dem Staub“.
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