Pressetipp für August 2008
- Thema des Monats -

„Automarder“ haben Kabel und Schläuche zum Fressen gern

Während der Paarungszeit im August  beissen die Raubtiere besonders

oft im Pkw zu

 

Er hat das Autokabel einfach zum Fressen gern: der Steinmarder.

Über 10.000 Mal sucht das auf den ersten Blick recht possierliche Raubtier jährlich in Hessen die Motorräume von Autos auf und richtet in diesem Bundesland einen Schaden von insgesamt mehr als zwei Millionen Euro an. Im August ist das Risiko, dass der Kulturfolger zum Leidwesen der Pkw-Besitzer Fahrzeugteile anknabbert, besonders hoch. Nicht jedoch aus Liebe zum Auto, sondern aus Eifersucht auf seine männlichen Artgenossen. Darauf weist der Landesjagdverband Hessen (LJV) hin.

 

Vor und während der Paarungszeit, die Ende Juli beginnt, verteidigen die nachtaktiven Tiere sehr aggressiv ihr angestammtes Revier gegen Rivalen. Hat es sich ein Nebenbuhler im Motorraum eines Autos gemütlich gemacht, riecht das der Marder sofort. Seine Wut über den Eindringling lässt er dann an Fahrzeugteilen aus, an denen der Rivale seinen Duft hinterlassen hat. Damit signalisiert der „fremde“ Marder seinen Anspruch auf das angestammte Revier des darin heimischen Artgenossen und auf dessen „Harem“.

 

In der Regel attackiert der Pelzträger Zündkabel, Kühlwasserschläuche oder Antriebs- und Lenkmanschetten, aber auch Bremsleitungen. Die Autos von Pendlern sind besonders oft betroffen, da sie durch häufigen Ortswechsel in vielen fremden Marderrevieren parken. Doch nicht nur die Männchen zeigen Zähne: Angebissene Kabel können auch ein Indiz für einen tierischen Zickenkrieg sein.

 

Zur Marderabwehr besonders geeignet ist ein relativ feinmaschiger Draht (wie der Maschendraht für Kaninchenställe), der auf einem viereckigen Holzrahmen befestigt wird. Dieser mit Draht bespannte Rahmen wird zwischen den Vorderrädern des Autos auf dem Boden unter die Karosserie geschoben; er muss zumindest die Fläche unter dem Motorraum gut ausfüllen. Denn die Marder meiden den Draht strikt, weil er in ihre Fußsohlen einschneiden würde. Außerdem wippt das Drahtgeflecht beim Betreten und bietet dadurch keinen sicheren Halt. Im Kfz-Zubehörhandel werden auch Ultraschall- und schwachstromführende Geräte angeboten, die sich jedoch nicht immer als wirkungsvoll erwiesen haben.

In der Regel kommt die Teilkaskoversicherung für Marderschäden am Auto auf - jedoch nur dann, wenn diese rechtzeitig erkannt werden. Folgekosten, die durch einen Unfall entstehen, werden nur ersetzt, wenn eine Vollkaskoversicherung vorhanden ist. Wichtig ist daher, vor der Fahrt auf Warnsignale wie herumliegende Gummi- oder Kabelteile oder ausgelaufene Flüssigkeit zu achten.

 

Die Marderschäden weiten sich derzeit aus, weil sich der Pelzträger immer häufiger selbst in den Städten auf Dach- und Garagenböden, in Gartenhäusern und in sonstigen Unterschlüpfen wohl fühlt und durch Stadttauben, Singvögel und Kleintiere einen reich gedeckten Tisch vorfindet. In seinem Unterschlupf hinterlässt der gewandte Kletterer – meist an unzugänglichen Stellen – übelriechenden Kot. In besiedelten Gebieten kann der Pfotengänger verständlicherweise nicht mit der Schusswaffe bejagt werden. Dort dürfen von Personen, die in einem Fangjagdkurs eine spezielle Ausbildung absolviert haben, nur unversehrt fangende oder sofort tötende Fanggeräte eingesetzt werden. Dabei muss jedoch die Schonzeit des Raubtiers während der Aufzucht seiner Jungen strikt beachtet werden.

 

Gut 1000 Steinmarder wurden im Jagdjahr 2007/2008 von den rund 22.500 hessischen Jägerinnen und Jägern erlegt und der Balg für hochwertige Pelzmützen, -jacken und –mäntel verwendet. Über 520  Marder wurden als so genanntes Fallwild verendet aufgefunden. Sie fielen in aller Regel dem Straßenverkehr zum Opfer.

 

Dr. Klaus Röther

 

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