Pressetipp für Mai 2008
- Thema des Monats -

Dachspopulation wächst in Hessen deutlich an - Landwirte beklagen erhebliche Schäden im Mais

 

Nur wenige bekommen den scheuen Höhlenbewohner je zu Gesicht, aber dennoch breitet sich seine Sippe rasch aus: Meister Grimbart, der Dachs, hat sich in den hessischen Mittelgebirgen wieder deutlich vermehrt. „Die Landwirte klagen  häufiger über Schäden im reifenden Getreide und an Maisäckern, die von ganzen Dachsfamilien heimgesucht werden“, berichtet der Pressesprecher des Landesjagdverbandes Hessen (LJV), Dr. Klaus Röther, in einer Pressemitteilung.

 

„Die früheren Begasungsaktionen, mit denen die Veterinärbehörden noch in den 60er Jahren die Tollwut bekämpfen wollten, hatten den Dachsbestand stark dezimiert”, teilt der LJV-Sprecher weiter mit. Inzwischen habe sich die Population des scheuen Allesfressers, der den Tag wie der Fuchs in unterirdischen Bauen verbringt, jedoch nachhaltig erholt.

 

Erst in der Dämmerung geht der nachtaktive Grimbart, dessen weißen Kopf zwei schwarze Streifen unverkennbar zieren, auf Nahrungssuche. Reifendes Getreide, Mäuse und Jungwild, Eier und Jungvögel von Bodenbrütern, aber auch Schnecken, Käfer, Obst und Beeren stehen auf seinem Speiseplan.

 

Eine besondere Vorliebe zeigt der Dachs nach Röthers Worten für reifende Maiskolben. Deshalb mehren sich die Klagen von Landwirten, deren Maisfelder ganze Dachssippen Nacht für Nacht durchkämmen. Die bis zu 20 Kilo schweren Tiere knicken die Maisstengel um, fressen die süßen Kolben und richten auf diese Weise Schaden an, der örtlich in die tausende Euro  geht.

 

Deshalb wird Grimbarts Sippe dort, wo sie allzu sehr zu Schaden geht, nach Jahren der völligen Schonung wieder zurückhaltend bejagt. So wurden in Hessen 2006  etwa 2.150  Dachse erlegt; über 1000 Tiere fielen dem Straßenverkehr zum Opfer. Das tut seiner Population jedoch keinen Abbruch, denn das Dachsweibchen - die Fähe - wirft jährlich im März bis zu fünf Junge. Im Hochsommer – bevorzugt während der glühenden Hitze der Hundstage  im August - halten Grimbarts Hochzeit. Dann dringen die gellenden Schreie der Dachse weithin durch die Nacht. Uneingeweihten kann dabei ein kalter Schauer den Rücken hinunter fahren, denn die Kontaktlaute hören sich an wie das Schreien eines Kindes.

 

Bei Frost und Schnee hält der Dachs dann wochenlang Winterruhe im Bau und zehrt von seinen Fettreserven, die er sich im Sommer angefressen hat. Einen regelrechten Winterschlaf hält Grimbart aber nicht. An sonnig-milden Wintertagen verläßt er hin und wieder seine mit trockenem Gras, Moos und Laub ausgepolsterte unterirdische Wohnung, um die frische Luft zu genießen.

 

Unter Feinschmeckern gilt geräucherter Dachsschinken als Delikatesse. Die gegerbte, überaus haltbare Schwarte dient als Vorleger oder Wanddekoration, und aus dem langen Grannenhaar binden Spezialfirmen besonders haltbare und gebrauchstüchtige  Rasierpinsel. Das ausgelassene Dachsfett soll als altbekanntes Naturheilmittel rheumatische Beschwerden und Entzündungen  lindern. Es enthält nach Angabe von Experten einen natürlichen Wirkstoff, der dem Heilmittel Cortison ähnelt, ohne dessen Nebenwirkungen hervorzurufen. Wanderer und Naturfreunde wissen zudem, dass  Dachsschmalz Schuhwerk und Stiefel dauerhaft  imprägniert und wasserundurchlässig macht.  

Dr. Klaus Röther

 

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