Pressetipp für März 2008
- Thema des Monats -

Der Räuber mit der Zorro-Maske dringt in Städte und Dörfer vor

 

Waschbären erobern sich neuen Lebensraum – Jagdverband ruft zur verstärkten Bejagung des Faunenfremdlings auf

 

Der Räuber mit der Zorro-Maske dringt immer häufiger in Städte und Dörfer vor, um nachts Mülltonnen und Komposthaufen zu plündern. Waschbären, deren Population sich in Hessen seit den fünfziger Jahren vervielfacht hat, erobern sich nach Angaben des Landesjagdverbandes (LJV) neuen Lebensraum in besiedelten Gebieten. Die Jäger beäugen die Ausbreitung des Neubürgers, der aus Nordamerika stammt, mit Argwohn. "Diese anpassungsfähigen Kleinbären rücken nämlich auch mit Vorliebe Junghasen, Vogeleiern und Jungvögeln zu Leibe", berichtet LJV-Pressesprecher Dr. Klaus Röther in einer Pressemitteilung. Deshalb verstärke das bis zu zehn Kilogramm schwere und 70 Zentimeter lange Pelztier neben Fuchs, Dachs, Marderhund, Steinmarder und Wiesel zusätzlich den Beutedruck auf Tierarten, die ohnehin zu den "Verlierern der Kulturlandschaft" zählten und Hilfe brauchten.

 

"Anfang der siebziger Jahre existierten zirka 40.000 Waschbären in Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen", erklärte Röther. Heute seien es, so schätzten Wildbiologen, in  ganz Deutschland mehrere hunderttausend  Exemplare. Wegen dieses starken Anstiegs des Bestandes drängten die Kleinbären, über deren Gesicht in Augenhöhe ein maskenähnlicher schwarzer Streifen verläuft, auf der Nahrungssuche von den Mittelgebirgswäldern in dicht besiedelte Gebiete. "Im nordhessischen Bad Karlshafen haben Wildbiologen in einem Garten 21 Waschbären gezählt, die der Gartenbesitzer mit Futter angelockt hatte", teilt der LJV-Sprecher mit. Weil die Tiere normaler Weise nur nachts aktiv seien, würden sie jedoch von der Bevölkerung nur selten beobachtet.

 

Vier Waschbären sind nach Röthers Angaben 1934 am Edersee vom damaligen Forstamt Vöhl ausgesetzt worden, um nach deren Vermehrung den wertvollen Balg der Pelzträger gewinnen zu können. Zwanzig Jahre später habe sich der Faunenfremdling bereits stark vermehrt und in Nordhessen häufiger Hausgeflügel gerissen und Obstbäume geplündert. Jedes Weibchen bringt im Durchschnitt drei Junge zur Welt. 1954 sei der Waschbär in Hessen als erstem Bundesland zum jagdbaren Wild erklärt worden. Heute kann nach Röthers Worten das Raubtier mit dem braun-grauen Balg, das durch seinen wackligen Gang auffällt, in ganz Deutschland bejagt werden. Der Kleinbär habe inzwischen alle Bundesländer "erobert".

 

"2005 haben die hessischen Jägerinnen und Jäger mit rund 11.350 Waschbären nehr als zehn Mal soviel Pelzträger wie 1969 erlegt", erklärt der Jagdverbandssprecher. Dennoch wachse die Kleinbären-Population offenbar weiter. Denn nach den Erfahrungen von nordamerikanischen Wildbiologen müssten etwa 60 Prozent des Herbstbestandes erlegt werden, damit die Population nicht weiter steigt.

 

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz hat nach Röthers Angaben schon 1972 das Aussetzen dieses "Allesfressers" gegenüber Jagdwissenschaftlern "als ausgesprochen gefährlich" bezeichnet, weil die Auswirkungen auf bodenständige Tierarten nicht abzusehen seien. Der Faunenfremdling kann nämlich nach Röthers Darstellung – wie der aus Osteuropa stammende Riesenbärenklau in der Pflanzenwelt – heimische Tierarten zurück drängen oder gar ganz verdrängen. Deshalb rief der LJV-Sprecher die über 22.000 hessischen Jägerinnen und Jäger auf, den heimlichen Waschbär verstärkt mit Schusswaffe und Fanggeräten zu bejagen, zumal dessen Pelz gut verwertet werden könne.

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