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Pressetipp für
Mai 2007
- Thema des Monats -
Jagdverband fordert: Natur- und Artenschutz dürfen beim Biomaisanbau nicht auf der Strecke bleiben
„Wenn in Hessen zunehmend Energie aus dem
nachwachsenden Rohstoff Mais gewonnen wird, ist dies sicher gut für den
Klimaschutz. Dabei dürfen aber freilebende Tiere wie Feldhase, Rebhuhn und
Feldlerche nicht auf der Strecke bleiben“, erklärt der Präsident des
Landesjagdverbandes Hessen (LJV), Dietrich Möller, in einer Pressemitteilung.
Deshalb fordert der Jagdverband, dass beim Anbau
von Mais für Biogasanlagen deren Betreiber verpflichtet werden müssen,
wildfreundlich begrünte Brachestreifen sowie Schussschneisen für die gezielte
Bejagung des Schwarzwildes anzulegen. „Ohne diese Ausgleichsmaßnahmen, die
nicht zuletzt dem Naturschutz dienen, werden immer mehr Feldjagdreviere keine Pächter
mehr finden“, betont Möller.
„Das Land Hessen will den Anteil der
erneuerbaren Energien bis 2015 um 15 Prozent erhöhen, und der hessische
Bauernverband hält sogar 20 Prozent für realistisch“, berichtet der LJV-Präsident.
Würden diese Ziele erreicht, könnte auf rund 33 Prozent der hessischen Ackerfläche
(zirka 170.000 Hektar) Mais angebaut werden. Derzeit werden nach Möllers Worten
in Hessen etwas über 26.000 Hektar Silomais angebaut. Dies entspricht etwa fünf
Prozent der hessischen Ackerfläche. „Doch selbst dieser relativ geringe
Maisanbau bereitet aufgrund der teilweise hohen Wildschäden den Jagdpächtern
Probleme und hat dazu geführt, dass einzelne Feldreviere nicht mehr verpachtet
werden können“, erläutert Möller.
Große Probleme könnte laut LJV-Präsident
den Wildtieren, dem Naturschutz und den Jägern der Trend zur großflächigen
industriellen Erzeugung von Biogas bereiten.
Möller: „Erstmals baut in Hessen ein Energieunternehmen bei Darmstadt
eine Biogas-Anlage mit einer Leistung von 500 Kilowatt, die jährlich 12.500
Tonnen Maissilage benötigt. Dies entspricht einem Maisanbau auf etwa 250 bis
280 Hektar, der sich in der Region konzentriert.“ Das Biogas dieser Anlage
will das Energieunternehmen ins reguläre Erdgasnetz einspeisen. Zugleich plant
das Unternehmen, in Südhessen bis zu fünf Biogas-Einspeisungsanlagen zu
errichten. „Dann müssen Gemüse-
und Obstanbau, die Feldhasen und Rebhühnern sowie vielen anderen
Tieren gute Lebensbedingungen bieten, in großem Umfang Maisfeldern
weichen“, bedauert der LJV-Präsident.
Dies würde, so Möller, zweifellos die
Artenvielfalt und den Naturschutz gravierend beeeinträchtigen sowie den Zuwachs
der Wildschweine und den Anstieg der Wildschäden fördern. Denn der Mais bietet
den Schwarzkitteln Kraftnahrung und Verstecke und fördert so deren Vermehrung
beträchtlich. Zudem sei auch in Mittel- und Nordhessen der Bau weiterer
Biogasanlagen geplant. Verschärft wird die prekäre Situation des Natur- und
Artenschutzes nach Möllers Worten dadurch, dass der Anbau von nachwachsenden
Rohstoffen auch auf stillgelegten Ackerflächen erfolgen darf, die bisher von Jägern
und Landwirten oft wildtierfreundlich begrünt worden sind.
„Deshalb müssen die Betreiber von
Biogasanlagen, deren Bau einen Eingriff in Natur und Landschaft darstellt, zu
Ausgleichsmaßnahmen verpflichtet werden“, fordert der Jägerpräsident. So
sollten in den Maisäckern und an deren Rand begrünte Brachestreifen mit
wildtiergerechten Pflanzenmischungen angelegt werden, die Bodenbrütern,
Wildtieren, Insekten und Kriechtieren Nahrung und Schutz bieten und dem
Artensterben Einhalt gebieten. Dies sollte laut Möller auch mit der Anlage von
Schussschneisen inmitten der Maisäcker verbunden werden, um den Jägern eine
effektive Bejagung der Wildschweine und die Reduzierung der Wildschäden zu ermöglichen.
Dr.
Klaus Röther