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Pressetipp für
Februar 2006
- Thema des Monats -
Jäger fordern: "Weg mit der ungerechten Jagdsteuer"
Alle hessischen Landkreise sollen umgehend die Jagdsteuer abschaffen. Dies fordern der Landesjagdverband Hessen (LJV) und die Kreisjagdvereine vor der Kommunalwahl, die im März stattfindet. „Mit dieser ungerechten Steuer werden die Jägerinnen und Jäger von den Landkreisen noch dafür bestraft, dass sie in den Natur- und Artenschutz freiwillig erhebliche Geld- und Sachleistungen und persönlichen Arbeitseinsatz investieren“, erklärt Jagdverbandspräsident Dietrich Möller (Marburg) in einer Pressemitteilung.
Während jeder Bürger seine Spende für Natur- und Umweltschutz steuermindernd absetzen könne, würden die Jäger zusätzlich zur Kasse gebeten. Etwa die Hälfte der hessischen Landkreise erhebt nach Möllers Worten von den Inhabern der Jagdreviere noch jährlich eine 10- bis 20-prozentige Jagdsteuer auf die Ausgaben für die Jagdpacht und teilweise sogar auf die Kosten für Wildschadensersatz, Wildäcker, jagdliche Einrichtungen oder auf Spenden des Jagdpächters für soziale und gemeinnützige Zwecke. Andere Landkreise und die fünf kreisfreien Städte verzichteten allerdings bereits wegen der Proteste der Jäger auf diese „ungerechte und überflüssige Steuer“ oder hätten den Steuersatz gesenkt.
„Ohne den finanziellen und persönlichen Einsatz der Jägerinnen und Jäger gäbe es wesentlich weniger Feldgehölze, Hecken und Feuchtbiotope. Stattdessen würden die Wildschäden ebenso wie die Zahl der Wildunfälle im Straßenverkehr drastisch steigen. Der junge Wald würde nicht mehr wachsen, Wildseuchen würden rasch um sich greifen und auch die Gesundheit der Menschen und ihrer Haustiere bedrohen“, stellt Jägerpräsident Möller weiter fest. „Doch statt diese Dienstleistungen für die Gesellschaft anzuerkennen, erheben etliche Landkreis von den Grünröcken eine Strafsteuer, die im Kreishaushalt verschwindet und noch nicht einmal zweckgebunden dem Naturschutz zugute kommt.“
„Andererseits erstellen die Kommunen jedoch für Naturnutzer wie Motor-, Wasser- und Flugsportler oder Reiter und Mountainbike-Fahrern zum Teil die Infrastruktur“, kritisiert Möller – „und dies obendrein auf Kosten der Steuerzahler“. Aufgrund dieser „grotesken Ungleichbehandlung“ erwägen nach Angaben des LJV-Präsidenten einige Jäger bereits, im Straßenverkehr getötete Wildtiere künftig nicht mehr selbst auf eigene Kosten zu beseitigen. „Die Revierinhaber sind dazu nämlich rechtlich keineswegs verpflichtet“, betont der Jägerchef. Sie hätten diese undankbare Aufgabe bisher allerdings freiwillig und klaglos übernommen – und zwar spät abends um 23 Uhr ebenso wie frühmorgens um drei Uhr. „Falls die Jäger hier streiken“, so erklärt Möller, kommen auf die Öffentliche Hand oder auf die Autofahrer, die den Wildunfall verursacht haben, erhebliche Ausgaben für die Anlieferung des verendeten Tiers in der nächsten Tierkörperbeseitigungsanstalt zu.“ Diese Aufwendungen sollten die Kreise einmal den Einnahmen aus der Jagdsteuer gegenüber stellen.
Landesjagdverband und Kreisjagdvereine, die insgesamt knapp 20.000 Mitglieder zählen, erwarten laut LJV-Präsident vor der Kommunalwahl von den Kandidaten der Parteien und Wählervereinigungen eine verbindliche Antwort auf die Frage, ob sie für die Abschaffung der Jagdsteuer eintreten. „Diese Antwort wollen wir Jäger in unsere Wahlentscheidung einbeziehen“, hebt Möller hervor.
Die Jagdsteuer ist nach Möllers Worten ursprünglich auf den finanziellen Überschuss eines Jagdreviers erhoben worden. Heute sei jedoch mit der Jagd kein Überschuss mehr zu erzielen. Stattdessen investierten die Jägerinnen und Jäger in der übernutzten Landschaft eigene Mittel in den Naturschutz und wildfreundliche Biotope.
Dr. Klaus Röther