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Pressetipp für
November 2005
- Thema des Monats -
Die Brunftkämpfe der Muffelwidder hallen im herbstlichen Wald wider
Nur wenige Naturfreunde haben dieses eindrucksvolle Schauspiel schon in Hessens freier Wildbahn beobachet. Mit gesenkten Häuptern prallen die Muffelwidder mit ihren runden Hörnern gegeneinander, weithin ist das Krachen zu hören. Im Kampf um die Schafe setzen die Widder im November während der Brunft ihren massiven Kopfschmuck, den der Jäger bildhaft „Schnecken“ nennt, gegenüber ihrem Nebenbuhler als Waffe ein - solange, bis der Schwächere das Feld unfreiwillig räumt.
Das Muffelwild, auch Mufflon genannt, kommt in hessischen Mittelgebirgen wie Meißner, Knüll und Rhön, im Vogelsberg, im mittleren Taunus und Gladenbacher Bergland sowie an den steilen Hängen des Rheingaus nur in vereinzelten, kleineren Beständen vor. Auf etwa 1000 Tiere schätzt der Wildbiologe des Landesjagdverbandes Hessen (LJV), Rolf Becker, die Gesamtzahl dieser Wildart in Hessen. Die Wildschafe besiedeln derzeit rund fünf Prozent der Landesfläche. Ein Vergleich verdeutlicht die Proportionen: Zirka 240.000 Rehe ziehen - mit Ausnahme der Siedlungsgebiete - flächendeckend in Wald und Feld ihre Fährten.
Wie Knochenfunde beweisen, waren die Muffel während früherer Klimazonen auch in ganz Mitteleuropa verbreitet. Im 19. Jahrhundert beschränkte sich ihr Vorkommen allerdings vorwiegend auf Sardinien und Korsika. Von dort wurden die Wildschafe allmählich wieder in
Deutschland und dessen Nachbarländern eingebürgert. Wanderer und Erholungssuchende freuen sich darüber, die Mufflons beobachten zu können, wenn diese am helllichten Tag ihre Nahrung suchen. Denn die meisten heimischen Wildarten wagen sich wegen ständiger Störungen nur noch bei Nacht ins Freie. Die Muffel, die sehr gut sehen können, stoßen erst dann ihren Warnpfiff aus und verschwinden im dichten Wald, wenn ihnen der Mensch allzu nahe auf den Leib rückt.
Auch die Jäger erfreut der Anblick der Mufflons, ihr sehr schmackhaftes Fleisch und die seltene Trophäe. In so genannten Muffelwild-Hegegemeinschaften setzten die Jäger und Grundeigentümer die Abschusshöhe nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit so fest, dass nur der jährliche Zuwachs geschossen und der Bestand nicht ausgerottet wird.
Weniger Freude haben mitunter die Waldbesitzer an den Wildschafen, gibt es doch auch einige Bestände, die die Rinde von den Bäumen fressen und dadurch wirtschaftlichen Schaden verursachen. Wildbiologen führen diese „Schälschäden“ an Waldbäumen vor allem darauf zurück, dass sich die Mufflons bei unbeobachteten „Seitensprüngen“ mit Hausschafen eingekreuzt und dadurch deren Vorliebe für Baumrinde genetisch übernommen haben.
Das Wildschaf, dessen männliche Form dem Sternbild Widder Pate stand, ist folglich mancherorts selbst zwischen die „Hörner“ widerstreitender Interessen geraten. Aber solange noch die Muffelschafe fünf Monate nach der herbstlichen Brunft ihre Lämmer zur Welt bringen und sich die Schäden an Waldbäumen in tragbaren Grenzen halten, werden im November weiterhin die gewundenen Hörner der Widder laut vernehmlich gegeneinander prallen.
Dr. Klaus Röther
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