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Pressetipp für
August 2005
- Thema des Monats -
Dachspopulation wächst deutlich an - Landwirte beklagen erhebliche Schäden im Mais
Nur wenige bekommen den scheuen Höhlenbewohner je zu Gesicht, aber dennoch breitet sich seine Sippe rasch aus: Meister Grimbart, der Dachs, hat sich in den hessischen Mittelgebirgen wieder deutlich vermehrt. “Die Landwirte klagen wieder häufiger über Schäden an Maisäckern, die von ganzen Dachsfamilien heimgesucht werden”, berichtet der Präsident des Landesjagdverbandes Hessen (LJV), Dietrich Möller, in einer Pressemitteilung.
“Die früheren Begasungsaktionen, mit denen die Veterinärbehörden noch in den 60er Jahren die Tollwut bekämpfen wollten, hatten den Dachsbestand stark dezimiert”, teilt der LJV-Präsident weiter mit. Inzwischen habe sich die Population des scheuen Allesfressers, der den Tag wie der Fuchs in unterirdischen Bauen verbringt, jedoch nachhaltig erholt.
Erst in der Dämmerung geht der nachtaktive Grimbart, dessen weißen Kopf zwei schwarze Streifen unverkennbar zieren, auf Nahrungssuche. Mäuse und Jungwild, Eier und Jungvögel von Bodenbrütern, aber auch Schnecken, Käfer, Obst und Beeren stehen auf seinem Speiseplan.
Eine besondere Vorleibe zeigt der Dachs nach Möllers Worten für reifende Maiskolben. Deshalb mehren sich im Spätsommer die Klagen von Landwirten, deren Maisfelder ganze Dachssippen Nacht für Nacht durchkämmen. Die bis zu 20 Kilo schweren Tiere knicken die Maisstengel um, fressen die süßen Kolben und richten auf diese Weise Schaden an, der örtlich in die Tausende Euro geht.
Deshalb wird Grimbarts Sippe dort, wo sie allzu sehr zu Schaden geht, nach Jahren der völligen Schonung wieder zurückhaltend bejagt. So wurden 2004 in Hessen 2.110 Dachse erlegt, 1.150 fielen dem Straßenverkehr zum Opfer. Gezielte Bejagung beim Auftreten von Wildschäden tut Meister Grimbarts Population keinen Abbruch, denn das Dachsweibchen - die Fähe - wirft im Spätwinter jährlich bis zu fünf Junge. Im Hochsommer - Ende Juli bis Mitte August - halten Grimbarts Hochzeit. Dann dringen die gellenden Schreie der Dachse, die auch von einem Menschen stammen könnten, durch die Nacht. Bei Frost und Schnee hält der Dachs dann wochenlang Winterruhe im Bau und zehrt von seinen Fettreserven, die er sich im Sommer angefressen hat. Einen regelrechten Winterschlaf hält Grimbart aber nicht. An sonnig-milden Wintertagen verläßt er durchaus seine mit trockenem Gras, Moos und Laub ausgepolsterte unterirdische Wohnung.
Unter Feinschmeckern gilt geräucherter Dachsschinken als Delikatesse. Die gegerbte, überaus haltbare Schwarte dient als Vorleger oder Wanddekoration, und aus dem langen Grannenhaar binden Spezialfirmen exklusive Rasierpinsel. Das ausgelassene Dachsfett soll als altes Naturheilmittel rheumatische Beschwerden und andere Gebrechen lindern. Seine medizinische Wirksamkeit hat die moderne Heilkunde inzwischen nachgewiesen. Zudem imprägniert Dachsschmalz Lederschuhe und -stiefel hervorragend und macht sie wasserundurchlässig.
Dr. Klaus Röther
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