Pressetipp für Juni 2005
- Thema des Monats -

Erweiterung des Frankfurter Flughafens gefährdet Damhirsche

Die geplante Erweiterung des Frankfurter Flughafens gefährdet  nach Ansicht des Landesjagdverbandes Hessen (LJV)  das Damwild im „Mönchbruch“ bei Mörfelden-Walldorf (Landkreis Groß-Gerau). „Dieser in Hessen wenig verbreiteten Hirschart  wird durch die Rodung von rund 300 Hektar Wald und die Umzäunung des Flughafengeländes  im Damwildbezirk, Mönchbruch’ etwa ein Sechstel ihres  Lebensraums entzogen.“ Das  sagte LJV-Präsident Dietrich Möller am 6. Mai in Mörfelden-Walldorf beim Landesjägertag vor Journalisten. Möller forderte deshalb den Bau von  „Grünbrücken“ über die viel befahrene B 486 zwischen Mörfelden und Rüsselsheim (Kreis Groß-Gerau) sowie über die B 486 bei Langen (Landkreis Offenbach).

„Die zirka 30 bis 40 Meter breiten, bepflanzten Brücken  stellen für die Tiere wieder die Verbindung der beiden getrennten Teilbereiche im „Mönchbruch“ her“, sagte Möller. Dieser Wildart stünde dann wieder ein großer Lebensraum von über 200 Quadratkilometern zur Verfügung.  „Das stärkt langfristig die Vitalität und Überlebensfähigkeit der Tiere  und fördert den genetischen Austausch zwischen den weitgehend isolierten Populationen“, betonte der LJV-Präsident.

 

Im Anschluss an den „Mönchbruch“ als wichtigsten Damwildbezirk um den Flughafen herum setzt sich das Verbreitungsgebiet östlich der Autobahn 5 in den Damwildbezirk „Kranichstein-Dreieich“ bis nach Darmstadt fort. Gegenwärtig  bilden zusätzlich die beiden stark frequentierten Verkehrswege der A 5 und der A 661 eine nahezu unüberwindbare Barriere.

Der Bau beider Grünbrücken kostet, so schätzte Möller,  insgesamt zirka sechs bis acht Millionen Euro. „Dieses Geld muss uns die langfristige Erhaltung des Damwildes Wert sein“, forderte der Jägerpräsident. Die Damhirsche seien von der Bevölkerung tagsüber gut zu beobachten und stellten  im naturfernen Rhein-Main-Ballungsraum „einen  unverzichtbaren Bezug zur Natur und zu frei lebenden Tieren“ her. Kommunen wie die Stadt Kelsterbach und die Gemeinde Bischofsheim seien deshalb auch bereit, auf einen Teil der Einnahmen aus der Forstwirtschaft zu verzichten, damit ihre Bürger das Damwild sehen und erleben könnten.

Zwei Grünbrücken, die Wildtieren das gefahrlose Überqueren von Verkehrswegen ermöglichen und ihre Lebensräume vernetzen, sind laut  Möller bereits  in Hessen auf Betreiben des Jagdverbandes gebaut worden. Fünf weitere Querungshilfen seien konkret in Planung.

Im Damwildbezirk „Mönchbruch“ leben in der Nähe des Frankfurter Flughafens   rund 600 bis 700 Damhirsche. Diese Tiere sind - wie das gesamte Damwild im Rhein-Main-Gebiet -

etwa 1771 vom Darmstädter Landgrafen eingebürgert worden. Die Damhirsche besiedeln in Hessen in vier Damwildgebieten insgesamt nur rund 558 Quadratkilometer (2,5 Prozent der Landesfläche). Der in der Bevölkerung besser bekannte heimische Rothirsch ist hingegen auf über 6100 Quadratkilometern vertreten (29 Prozent der Landesfläche).

 

 Dr. Klaus Roether

 

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