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Pressetipp für
September 2004
- Thema des Monats -
Jäger fordern eine "Agenda 21" fürs Rotwild
Eine „Agenda 21“, die die artgerechte Existenz des Rotwildes langfristig sichert, hat der Landesjagdverband Hessen (LJV) gefordert. „Dafür müssen breite Teilen der Bevölkerung gemeinsam für das Lebensrecht unseres größten freilebenden Säugetieres eintreten und den Rothirsch als unser aller Kulturgut anerkennen“, fordert der Pressesprecher des Landesjagdverbandes Hessen (LJV), Klaus Röther, in einer Pressemitteilung. In diesen Tagen hallt der Brunftschrei der Hirsche wieder durch die Wälder und erinnert an die ursprüngliche Natur und stolze Kraft des „Königs der Wälder“, den schon die Urmenschen auf ihren Höhlenbildern als jagdliche Beute zu bannen suchten .
Zu diesem „Bündnis fürs Rotwild“ müssten neben Jägern, Förstern, Waldbesitzern, und Landwirten auch Natur- und Tierschützer sowie alle Naturnutzer wie Freizeitsportler und Erholungssuchende ihren Teil beitragen. Dabei darf es nach Röthers Worten in keiner dieser Bevölkerungsgruppen bei bloßen Lippenbekenntnissen bleiben. Jede müsse vielmehr auf die elementaren Lebensbedürfnisse dieser Wildart - nämlich Ruhe, ungestörte und artgerechte Nahrungsaufnahme auch am Tag und sein hohes Sicherheitsbedürfnis - Rücksicht nehmen und dafür ihre persönlichen Interessen ein wenig zurückstecken.
„So sollten die Jäger in Rotwildgebieten grundsätzlich störungsarme Jagdarten bevorzugen und die Bejagung der Wildschweine nicht tief in die hinein Nacht verlagern, damit das Rotwild nicht rund um die Uhr beunruhigt wird“, erklärte der LJV-Sprecher. Auch dürfe der Hirsch seiner ansehnlichen Trophäe wegen nicht zum bloßen jagdlichen Prestige-Objekt verkommen, „das die Jagdpachtpreise in ungeahnte Höhen und die Jagdmoral in tiefe Niederungen treibt“. Zudem müssten die Pächter von Rotwildrevieren grundsätzlich respektieren, dass der Waldeigentümer, der auf die Einnahmen aus des Waldbewirtschaftung angewiesen ist, keine ausufernden Wildschäden akzeptieren kann.
„Zugleich müssen Förster und Waldbesitzer aber auch einen gewissen Umfang an unvermeidbaren Schälschäden dulden. Dies erweist sich jedoch in Zeiten, in denen die Holzpreise darniederliegen und der Wald kaum Ertrag abwirft oder sogar rote Zahlen schreibt, als besonders heikel“, weiß der LJV-Sprecher. Für die waldbauliche Verbesserung des Lebensraums des Rotwilds und seines Nahrungsspektrums stünden da ohnehin kaum Mittel zur Verfügung. Aufgrund pekuniärer Zwänge und in Zeiten leerer Kassen würden ökonomische mitunter vorschnell mit ökologischen Schäden gleichgesetzt und das Rotwild als unliebsamer waldbaulicher Störfaktor und „großer brauner Rindenfresser“ verteufelt.
Zu überlegen sei deshalb, ob Waldbesitzer langfristig nicht grundsätzlich stärker von der öffentlichen Hand unterstützt werden sollten, wenn sie - bei an die Lebensraumkapazität angepassten Wildbeständen - mit ihrem Waldbau unser größtes wilde Säugetier und damit zugleich andere freilebende Tiere wie Luchs und Wildkatze besonders förderten. „Wenn ein breiter Konsens über das Existenzrecht des Rotwildes besteht“, erläuterte Röther, „ist es auch Sache der Allgemeinheit, dieses zu sichern.“ Die Jäger nähmen jedenfalls in dieser Hinsicht schon heute eine Vorreiterrolle ein und forderten eine wildökologische Raumplanung für wandernde Wildarten, die dem Wild zum Beispiel durch Grünbrücken und Wildampeln Vorfahrt vor dem Straßen- und Schienenverkehr gewährten.
Ferner müssten Naturnutzer wie Freizeitsportler, Erholungssuchende, Pilzsammler und alle Waldbesucher strikt auf die Bedürfnisse des Rotwildes Rücksicht nehmen. Röther: „Das heißt, dass Wildruhezonen respektiert , die Verstecke des Wildes nicht behelligt und die ausgebauten Waldwege möglichst nicht verlassen werden. Hundefreunde sollten ihre Vierbeiner, deren Duftspur allein schon die Wildtiere abseits der Wege in Panik versetzt, stets anleinen. Und in der Nacht gehört der Wald grundsätzlich dem Wild.“
Er hoffe, sagte der LJV-Pressesprecher, „dass auch Naturschützer stets mit Jägern und Förstern an einem Strang ziehen, wenn es um die Verbesserung des Lebensraums Wald für die freilebenden Tiere und die Vermeidung von Störungen geht.“ Rücksichtnahme auf das sensible Rotwild erfordere letztlich von allen Gruppierungen Selbstbeschränkungen - die seien indessen derzeit gesellschaftlich nicht gerade opportun.
Dr. Klaus Röther
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