|
|
Pressetipp für
Mai 2003
- Thema des Monats -
Mit Infrarotdetektoren retten Jäger Rehkitze und Junghasen vor tödlichem Kreiselmäher

Mit
Infrarotdetektoren, die ein Produkt der Weltraumforschung bilden,
spüren die Jäger
im Mai
frühmorgens in der taunassen Wiese die Rehkitze auf,
um das Jungwild vor
dem Mähen vor den tödlichen Messern des Kreiselmähers
zu retten. Landwirte
können beim
Mähen der Wiesen
auch Wildretter einsetzen, die wie ein
Rechen das
Gras vor
der Mahd durchkämmen
und Kitze sowie Junghasen rechtzeitig
vor dem Mähwerk
flüchten lassen. Der Landesjagdverband Hessen (LJV) ruft deshalb die über
20.000 hessischen Jäger und die Landwirte auf, beim Mähen der Wiesen unbedingt
alle Möglichkeiten der Jungwildrettung zu nutzen.
„Ansonsten fallen in jedem Frühjahr in Hessen mehrere
tausend Jungtiere dem Kreiselmäher zum Opfer", erklärt LJV-Präsident
Dietrich Möller (Marburg) in einer Pressemitteilung.
Die
neuere Rechtsprechung zum Tierschutz
schreibe zudem ausdrücklich vor, dass die Landwirte vorsichtshalber
Schutzmaßnahmen für das Jungwild ergreifen müssen, wenn erfahrungsgemäß
auf bestimmten Flächen beim Mähen mit dem Tod von Jungtieren zu rechnen ist.
Ansonsten sei mit empfindlichen Strafen zu rechnen.
Es
entspricht nach Möllers Worten "dem natürlichen Instinkt der Jungtiere,
regungslos und gut getarnt
im Gras zu verharren, wenn sich ein Freßfeind oder eine laute Störquelle
nähern". Das Jungwild
vertraue damit
seinen natürlichen
Tarnfarben. Denn falls
Rehkitze oder
Junghasen versuchten, etwa vor einem Fuchs zu fliehen, hätten sie keine Überlebenschance.
Der
LJV-Präsident appelliert an Jagdpächter und Jagdgenossenschaften,
rechtzeitig genügend
Wildretter anzuschaffen und bei der Mahd einzusetzen. Zusätzlich sollten die
Landwirte die ortsansässigen Jägerinnen und Jäger frühzeitig über die Mähtermine
informieren. Dann könnten die Grünröcke am Vorabend der Mahd auch auf den
Wiesen Wildscheuchen aus leeren Dünger- und Kunststoffsäcken aufstellen, deren
Aussehen und vom Wind verursachten Geräusche
die Rehmütter veranlassen,
nachts ihre
Kitze von diesen Flächen wegzulotsen. Falls sich der Mähtermin - etwa wegen
schlechten Wetters - verschiebt, besteht jedoch laut Möller "die Gefahr,
dass sich die Rehe an die Wildscheuche gewöhnen und ihre Kitze erneut auf
dieser Wiese verstecken".
Außerdem
können die Jäger das Wiesenstück kurz vor der Mahd mit dem Jagdhund
durchsuchen. Der speziell ausgebildete Vierbeiner
verharrt dann regungslos in einigen Metern Entfernung
vor dem Jungtier und weist damit darauf hin, wo sich der Nachwuchs des
Wildes im Gras
verbirgt.
Wird
dabei ein Rehkitz gefunden, darf es nur unter Zuhilfenahme von Grasbüscheln aus
der Gefahrenzone weggetragen werden, damit ihm kein menschlicher Geruch
anhaftet. Andernfalls würde die Rehmutter
den Nachwuchs aufgrund seiner fremden Witterung nicht wiedererkennen und
verstoßen. Das Kitz müsste dann jämmerlich verhungern.
Möller
bittet deshalb Naturfreunde, die im Mai und Juni scheinbar verwaiste Jungtiere
finden, diese auf keinen Fall zu berühren. Sie sollten vielmehr sofort
den zuständigen Jäger oder Förster benachrichtigen.
Dr.
Klaus Röther
zurück
zu Pressetipps
zum Archiv