Pressetipp für April 2003
- Thema des Monats -

Gut gefütterte Hauskatzen dezimieren Millionen Singvögel, Junghasen und Rebhühner

 

"Die entzückende, gut gefütterte Hauskatze könnte der bedeutendste Mörder der kleinen Vögel und Säugetiere in ländlichen und suburbanen  (vorstädtischen) Gebieten sein.“ Zu diesem Schluss kommen die beiden englischen Zoologen Peter Churcher und John  Lawton von der Londoner Universität  in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Natural History“. Darauf weist  der Landesjagdverband (LJV) Hessen in einer Pressemitteilung hin. Der Jagdverband appelliert deshalb  eindringlich an die Katzenhalter, ihre „Stubentiger“ während der Aufzuchtzeit der freilebenden Tiere nicht in Feld und Flur unbeaufsichtigt streunen zu lassen."

„Die beiden Zoologen ermittelten,  dass 78 Katzen während eines Jahres in einem Dorf 1100 tote  Beutetiere nach Hause brachten. Davon waren 64 Prozent Kleinsäuger, der Rest Vögel“, berichtet LJV-Pressesprecher Dr. Klaus Röther. Die englischen Wissenschaftler seien zu dem Schluss gekommen, dass Katzen landesweit mindestens 20 Millionen Vögel töteten und einen bedeutenden Einfluss auf die Artenvielfalt haben könnten.

„Nach Schätzungen der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung des Landes Nordrhein-Westfalen  werden in Deutschland jährlich eine Million Junghasen, Wildkaninchen, Rebhühner und Fasane von wildernden Katzen gerissen“, teilt Röther weiter mit.  Damit machten die von ihren Haltern unbeaufsichtigten vierbeinigen Streuner oft die Hege- und Artenschutzbemühungen von Jägern und Naturschützern zunichte. Zudem fielen den rund acht  Millionen deutschen Hauskatzen auch nach Darstellung der Hamburger Illlustrierten „Stern“ jährlich etliche Millionen Singvögel zum Opfer.  Der „Stern“ selbst schreibe, dass sich in Deutschland die Hauskatze „zum führenden Raubtier der Wildbahn  gemausert“ habe ­ –  obwohl sie zuhause gut gefüttert werde.

Dennoch ging nach Röthers Worten ein „Aufschrei der Empörung“ durch die Reihen der Katzenhalter, als der Gießener Tiermediziner Professor Erhard Kaleta 1995 gefordert habe, Katzen zum Schutz von brütenden Singvögeln und ihrer Jungen von Mitte März bis Mitte Juli an die Leine zu nehmen. Röther: „Es hat jedoch absolut nichts mit Tierliebe zu tun, wenn Tierhalter tatenlos zusehen, wie ihre vierbeinigen Lieblinge ein Massaker unter Singvögeln und Jungwild anrichten.“  Etliche Katzenfreunde – insbesondere Singles –  hielten jedoch laut „Stern“ ihren schnurrenden Vierbeiner  als eine Art  pflegeleichten „Kind-Ersatz“, weil sie mit  der Katze  schmusen und sie  wie ein Baby streicheln und füttern könnten.

Prof.  Kaleta habe auch zu Recht darauf hingewiesen, erklärt der LJV-Sprecher, dass streunende Katzen die lebensgefährlichen Krankheiten  Tollwut, Fuchsbandwurm und Toxoplasmose verbreiten. Um die Bestände wildernder und herrenloser Hauskatzen nicht ins Uferlose wachsen zu lassen, müssten deshalb möglichst viele Hauskatzen sterilisiert werden.

„Ökologisch gesehen, ist es heutzutage fast immer geradezu ein Verbrechen, eine Hauskatze hinauszulassen, damit sie Vögel und andere freilebende Tiere tötet“, zitiert der LJV-Sprecher den amerikanischen Verhaltensforscher Michael W. Fox, der das Standardwerk „Verstehe deine Katze“ verfasst hat.  Laut Fox ist es absolut verantwortungslos, „wenn Leute ihre Tiere frei herumlaufen und sich fortpflanzen lassen“.

Das Jagdgesetz verpflichtet die hessischen Jägerinnen  und Jäger nach Röthers Angaben „ausdrücklich, das Wild vor Hungersnot, Seuchen und  Wilderern sowie vor  wildernden Hunden und Katzen zu schützen“.  Wenn alle  anderen Bemühungen der Jäger scheiterten, die vor allem Jungtieren und hochträchtigen Tieren drohenden Gefahren abzuwenden, sei auch das Töten wildernder Hunde und Katzen gesetzlich erlaubt. Röther: „Nicht die Katzen, deren Halter sind das Problem. Es liegt letztlich an ihnen, als wahre Tierfreunde Verantwortung zu übernehmen und  von vornherein Übergriffe auf die freilebenden Tiere zu unterbinden.“ 

Dr. Klaus Röther

 

 

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