Pressetipp für September 2002
- Thema des Monats -

Jäger und Naturfreunde sollen gemeinsam Bau von "Grünbrücken" für Hirsch und Reh, Wildkatze und Dachs vorantreiben

Die hessischen Jäger und Naturfreunde sollen sich bei Politikern und Straßenbaubehörden gemeinsam dafür einsetzen, dass für Wildtiere wie Hirsch und Reh, Wildkatze und Dachs an viel befahrenen Verkehrswegen vermehrt "Grünbrücken" gebaut werden. "Das dient dem Tier- und Artenschutz und verringert außerdem die Zahl der Wildunfälle", erklärt der Referent für Wildbiologie und Naturschutz des Landesjagdverbandes Hessen (LJV), Rolf Becker, in einer Pressemitteilung. Das neue hessische Naturschutzgesetz sehe den Bau von "Biobrücken" ausdrücklich vor.

"Wanderwege von Tieren sollen bei Zerschneidung durch geeignete Maßnahmen wie Querungshilfen neu geschaffen werden", gibt Becker Paragraph 1 des neuen hessischen Naturschutzgesetzes wider. Mit dieser gesetzlichen Vorgabe, mit der eine Hauptforderung des Landesjagdverbandes erfüllt worden ist, habe ein deutsches Bundesland erstmals den Bau von Grünbrücken für Hirsch und Reh, Wildschwein und Wildkatze in seinem Naturschutzrecht verankert. "Damit hat unser jahrelanger intensiver Einsatz für den Bau von Querungshilfen für Wildtiere doch noch Erfolg gehabt," erklärt Becker.

Der Wildbiologe, der auch als Sprecher der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Rotwild in Deutschland agiert, hat einen "Atlas der Wildtierlebensräume und –korridore in Hessen" erarbeitet und hieraus die Prioritätenliste für den Bau von insgesamt 21 Querungshilfen abgeleitet. Ein Straßennetz von rund 18.000 Kilometern Länge, darunter 931 Kilometer Autobahnen, zerschneidet nach Beckers Worten die Lebensräume der frei lebenden Tierarten in Hessen.

"Grünbrücken" sollen es den beispielsweise Hirschen ermöglichen, im September während der herbstlichen Brunft Fernstraßen und Bahntrassen unversehrt zu überqueren und damit den ungehinderten Gen-Austausch zwischen den 20 hessischen Rotwildgebieten sicherstellen. Ohne eine ausreichende Zahl von Querungshilfen könne der Brunftschrei der Hirsche im herbstlichen Wald langfristig ganz verstummen.

"Dem Rotwild droht eine genetische Verarmung, wenn es zur Brunft nicht mehr zwischen seinen Einstandsgebieten in den Mittelgebirgen hin- und her wechseln kann", warnt Becker. Der eingeschränkte Austausch des Erbguts könne körperliche Missbildungen, Fitnessverlust und Verhaltensänderungen bewirken. Zudem falle es dann "unserem größten freilebenden Säugetier zunehmend schwerer, sich wandelnden Umweltbedingungen anzupassen und sein Überleben langfristig zu sichern."

Dr. Klaus Röther

 

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