Pressetipp für Juni 2002
- Thema des Monats -

Störungen und Dauerstreß machen die Rehe krank 

 

In Waldgebieten mit intensiver Naherholung sind die Wildtiere besonders anfällig für Parasiten und Krankheiten.

Wenn Freizeitsportler, Erholungssuchende und freilaufende Hunde Rehe häufig stören, dann macht dieser Dauerstreß die Wildtiere krank. Feldhasen werden von Feldern und Wiesen, die großflächig für den Hundeauslauf genutzt werden, sogar dauerhaft vertrieben. Auf diese Ergebnisse der wildbiologischen Forschung weist der Landesjagdverband Hessen (LJV) in einer Pressemitteilung hin. LJV-Pressesprecher Klaus Röther (Bad Nauheim) bittet deshalb Hundebesitzer sowie Wald- und Feldbesucher, mehr Rücksicht auf die wildlebenden Tiere zu nehmen und auf den befestigten Wegen zu bleiben.

"In Waldgebieten wie in Taunus, Spessart oder südlichem Vogelsberg, die intensiv zur Naherholung genutzt werden, werden Rehe viermal häufiger von Lungen- sowie Magen- und Darmwürmern befallen als in ungestörten Waldbereichen", teilt Röther mit. Wildbiologen erklärten dies mit dem Dauerstreß, dem die Tiere durch die ständigen Störungen ausgesetzt seien. Diese Belastung mache die Rehe besonders anfällig für Krankheiten und den Befall mit Parasiten.

"Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen sind für das Wild die unmittelbare Folge", betont der LJV-Pressesprecher. So erzielten Rehböcke in störungsarmen Wäldern ein Durchschnittsgewicht von rund 20 Kilogramm, während sie in stark frequentierten Waldgebieten nur 15 Kilo erreichten. Langjährige Forschungen belegten zudem, daß rund 45 Prozent der Todes- und Krankheitsfälle bei Rehen auf die starke Belastung mit Parasiten sowie Entzündungen des Magen- und Darmtraktes zurückzuführen seien. Ferner steige die Herzfrequenz eines Rehs bei Störungen von 80 auf bis zu 240 Pulsschläge pro Minute.

"Wird das Wild an seinen Schlaf- und Ruhestätten gestört, verfällt es nach den Erkenntnissen der Wildbiologie regelrecht in Panik", berichtet Röther. Werde beispielsweise ein Reh von einem Hund aus seinem vertrauten Tagesversteck gehetzt, "dann dauert es bis zu zwei Tage, bis es wieder dorthin zurückkehrt". Rehmütter unterbrechen nach Angaben des LJV-Sprechers bei Störungen das Säugen ihrer Kitze, Hirsche werden daran gehindert, als Wiederkäuer ihrem natürlichen Nahrungsrhythmus nachzugehen. Dies beeinträchtige den Stoffwechsel des Wildes, das im Frühjahr obendrein von den Reserven zehren müsse, die es sich im Herbst angefressen hat.

Außerdem wachsen laut Röther nach der "Eiruhe" genannten Winterpause ab Februar rasch die Embryos der Rehkitze heran. Die trächtigen Ricken benötigen dann besonders viel Ruhe und werden durch den Nachwuchs so schwerfällig, daß sie vor hetzenden Hunden oft nicht mehr schnell genug fliehen können.

Das Wild versteckt sich nach Röthers Worten aufgrund häufiger Störungen verstärkt in den Dickungen und Kulturen und frißt dort vermehrt Baumrinde und junge Knospen: "Hohe Schäden an den jungen Waldbäumen sind die fatale Folge."

Ein Waldbesucher sei zwar schon nach wenigen Sekunden aus dem Sichtfeld eines Rehs oder Hirsches entschwunden. "Aber die Duftspur des Spaziergängers und seines Hundes", betont der Pressesprecher, "wirkt auf das Wild noch Stunden später als unsichtbare Störung nach." Dieser Vertreibungseffekt gelte insbesondere auch für Felder und Wiesen, die in der Nähe von Siedlungen häufig als Hundeauslaufplatz genutzt würden. Dort macht sich der Feldhase nach Angaben des LJV-Sprechers "schon bald endgültig aus dem Staub".

Dr. Klaus Roether

 

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