Pressetipp für Mai 2002
- Thema des Monats -

Mit Infrarotdetektoren Rehkitzen und Junghasen auf der Spur

Mit Infrarotdetektoren spüren die Jäger im Mai frühmorgens in der taunassen Wiese die Rehkitze auf, um das Jungwild vor den tödlichen Messern des Kreiselmähers zu retten. Landwirte setzen beim Mähen der Wiesen Wildretter ein, die wie ein Rechen das Gras vor der Mahd durchkämmen und Kitze sowie Junghasen rechtzeitig vor dem Mähwerk flüchten lassen. Der Landesjagdverband Hessen (LJV) ruft die über 20.000 hessischen Jäger und Landwirte auf, beim Mähen der Wiesen Wildretter einzusetzen. "Ansonsten fallen in jedem Frühjahr in Hessen mehrere tausend Jungtiere dem Kreiselmäher zum Opfer", erklärt LJV-Präsident Dietrich Möller (Marburg) in einer Pressemitteilung.

Es entspricht nach Möllers Worten "dem natürlichen Instinkt der Jungtiere, regungslos und gut getarnt im Gras zu verharren, wenn sich ein Freßfeind nähert". Das Jungwild vertraue damit seinen natürlichen Tarnfarben. Denn falls etwa Rehkitze oder Junghasen versuchten, vor einem Fuchs zu fliehen, hätten sie keine Überlebenschance.

Der LJV-Präsident appelliert an Jagdpächter und Jagdgenossenschaften, rechtzeitig genügend Wildretter anzuschaffen und bei der Mahd einzusetzen. Zusätzlich sollten die Landwirte die ortsansässigen Jägerinnen und Jäger frühzeitig über die Mähtermine informieren. Dann könnten die Grünröcke am Vorabend der Mahd auch auf den Wiesen Wildscheuchen aufstellen, die die Rehmütter veranlassen, nachts ihre Kitze von diesen Flächen wegzulotsen. Falls sich der Mähtermin - etwa wegen schlechten Wetters - verschiebt, besteht jedoch laut Möller "die Gefahr, dass sich die Rehe an die Wildscheuche gewöhnen und ihre Kitze erneut auf dieser Wiese verstecken".

Außerdem können die Jäger das Wiesenstück kurz vor der Mahd mit dem Jagdhund durchsuchen. Der Vierbeiner weist dann durch das sogenannte Vorstehen darauf hin, wo sich ein Jungtier im Gras verbirgt. Wird dabei ein Kitz gefunden, darf es nur mit Grasbüscheln weggetragen werden, damit ihm kein menschlicher Geruch anhaftet. Andernfalls würde die Rehmutter den Nachwuchs nicht wiedererkennen und verstoßen. Das Kitz müsste dann jämmerlich verhungern.

Möller bittet deshalb Naturfreunde, die im Mai und Juni scheinbar verwaistes Jungwild finden, dieses auf keinen Fall zu berühren. Sie sollten vielmehr sofort den zuständigen Jäger oder Förster benachrichtigen.

Außerdem können auf den Wiesen auch stark riechende Verstänkerungsmittel ausgebracht werden, deren durchdringender Geruch das Wild ebenfalls fernhält. Hier besteht jedoch wie beim Aufstellen von Scheuchen die Gefahr, dass sich die Wildtiere daran gewöhnen und diese Fläche nicht dauerhaft meiden.

Dr. Klaus Roether

 

zurück zu Pressetipps

zum Archiv