Pressetipp für März 2002
- Thema des Monats -


Fuchs und Rabenkrähe dezimieren Feldhasen-Population drastisch

Die Fressfeinde Rabenkrähe und Fuchs tragen wesentlich zum Rückgang des Feldhasenbestandes bei. Das ist nach Angaben des Landesjagdverbandes Hessen (LJV) eindeutiges Resultat der Feldhasenforschung, die der Jagdwissenschaftler Dr. Heinrich Spittler (Bonn) seit 16 Jahren betreibt. Spittler stellte seine Forschungsergebnisse kürzlich Jägern und Landwirten in Friedberg vor.

"Über 90 Prozent der ersten im März geborenen Junghasen werden von Rabenkrähen getötet, weil die niedrige Vegetation den hilflosen Jungtieren noch keinen Schutz bietet", berichtete LJV-Sprecher Klaus Röther nach der Tagung. Dies habe Spittlers Dauerbeobachtung von Junghasen mit der Thermokamera ergeben, die auf minimale Temperatur-Unterschiede reagiert und den Nachwuchs der Mümmelmänner auch in Gras oder Getreidesaat sichtbar macht.

Füchse dezimierten wiederum stark den zweiten und dritten Satz an Junghasen, die im Sommer zur Welt kommen. "Untersuchungen des Mageninhalts von über 3000 Füchsen durch Veterinärmediziner haben ergeben, dass Reineke jährlich im Durchschnitt sieben Hasen verspeist", erklärte Röther. Danach fielen den rund 120.000 Füchsen, die nach Schätzung des Jagdverbandes derzeit durchschnittlich in Hessen leben, über 800.000 kleine Mümmelmänner zum Opfer. Von den acht bis zehn Feldhasen, die eine Häsin jährlich zur Welt bringt, überlebt nach Röthers Worten "meist nur einer bis zum Herbst".

Spittlers Forschungsergebnisse hätten auch die Vermutung widerlegt, dass in der Landwirtschaft eingesetzte Spritzmittel die Fortpflanzungsfähigkeit der Mümmelmänner beeinträchtigten. "Über 300 Feldhasen, die in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten lebend gefangen und untersucht wurden, wiesen eine normale Fruchtbarkeit auf", betonte der LJV-Sprecher. Zudem falle auf, dass in Südhessen in Gebieten mit intensivem Anbau von Obst, Gemüse und Zuckerrüben im Herbst noch bis zu 100 Feldhasen je 100 Hektar Feldfläche lebten. Im waldreichen Nordhessen, wo überdurchschnittlich viele Füchse existierten, sinke der Bestand hingegen auf fünf bis 15 Mümmelmänner pro 100 Hektar ab.

Aufgrund von landesweiten repräsentativen Zählungen schätzt der Jagdverband nach Röthers Worten, dass sich in diesem Frühjahr zwischen Reinhardswald und Odenwald mindestens 250.000 Feldhasen tummeln. Durch die verstärkte Fuchsbejagung und die Jagd auf Rabenkrähen habe sich die Hasenpopulation örtlich wieder stabilisiert. Kontraproduktiv wirke sich dagegen aus, dass auch in Hessen auf Drängen der EU Rabenkrähe und Elster nur noch vom 1. August bis zum 20. Februar bejagt werden dürfen. "Ausgerechnet im März, wenn die Junghasen massenweise den Krähen zum Opfer fallen, dürfen diese Fressfeinde nicht mehr bejagt werden," kritisierte der Jagdverbandssprecher. Im Jagdjahr 2000/2001 (1. April 2000 bis 31. März 2001) haben die hessischen Jäger nach Röthers Angaben über 52.000 Füchse sowie rund 26.000 Rabenkrähen und Elstern erlegt. In den meist in Südhessen gelegenen Jagdrevieren, die noch einen guten Hasenbesatz verzeichnen, kamen rund 6.700 Feldhasen zur Strecke. 3.400 Mümmelmänner fielen dem Straßenverkehr zum Opfer. In über 90 Prozent der hessischen Jagdreviere verzichten die Jäger laut Röther freiwillig auf die Hasenbejagung.

"In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als es wegen der tödlichen Tollwutseuche nur sehr wenig Füchse gab und die Rabenkrähen länger bejagt werden konnten, wurden in Hessen jährlich bis zu 167.000 Langohren geschossen," sagte Röther . Dies habe dem Stammbesatz der Hasen keineswegs geschadet. Denn weil damals die Zahl der ärgsten Fressfeinde stark reduziert war, seien auch jedes Jahr wieder genügend Junghasen aufgewachsen. Die Jäger hätten bei der Hasenjagd nur den natürlichen Überschuss abgeschöpft, ohne die Hasenpopulation insgesamt zu gefährden.

Dr. Klaus Roether

 

zurück zu Pressetipps

zum Archiv