Pressetipp für Februar 2002
- Thema des Monats -


Schonzeit für Überläufer in Hessen aufgehoben

Bad Nauheim – Die Schonzeit für "Überläufer" (einjährige Wildschweine) ist am Montag in Hessen wegen extremer Wildschäden aufgehoben werden. Das teilte der Pressesprecher des Landesjagdverbandes Hessen, Dr. Klaus Röther (Bad Nauheim) am Dienstag in einer Presseerklärung mit. Seit vergangenem Jahr genossen diese "Halbstarken" unter den Schwarzkitteln erstmals eine Schonzeit, die sich vom 1. Februar bis zum 15. April erstreckte. Weibliche Wildschweine ("Bachen") die ihren Nachwuchs groß ziehen, sind nach Röthers Angaben weiterhin strikt zu schonen. Die mindestens zweijährigen männlichen "Keiler" dürfen vom 1. Februar bis 15. Juni ebenfalls nicht erlegt werden, weil man die ausgewachsenen Muttertiere leicht mit einem Keiler verwechseln kann.

Extreme Wildschäden, die das Schwarzwild seit vergangenem Sommer und Herbst an landwirtschaftlichen Kulturen, Wiesen und selbst in Hausgärten verursacht hat, haben nach Röthers Worten das hessische Forstministerium veranlasst, die erst 2001 eingeführte Schonzeit für Überläufer wieder aufzuheben. Bauern, Winzer und Gartenbesitzer hätten sich über diese Schäden massiv beklagt. Die Jäger müssten in den meisten Fällen den Geschädigten den Wildschaden erstatten. "Diese Entschädigung kann in einzelnen Jagdrevieren jährlich bis zu 10.000 Mark und mehr betragen ," sagte Röther. Deshalb liege es auch im Interesse der Grünröcke, dass die Wildschweinpopulation wieder auf ein erträgliches Maß reduziert wird.

Die Zahl der Schwarzkittel ist nach Darstellung des Pressesprechers im Frühjahr 2001 förmlich "explodiert", weil die Wildschweine im Wald außerordentlich viele Eicheln gefunden hätten und zugleich wegen Schneemangels nicht effektiv genug bejagt werden konnten. Von den Eicheln gut genährt, hätten die Bachen 2001 sogar zwei Mal Nachwuchs bekommen. Normalerweise bringen die Wildschweinmütter jährlich nur einmal "Frischlinge" zur Welt.

 

Auf rund 200.000 Tiere schätzt Röther den Wildschweinbestand in Hessen. Im Herbst und Winter seien jedoch zahlreiche dieser Borstentiere erlegt worden. Deshalb erwartet der LJV-Sprecher, dass in diesem Jagdjahr deutlich mehr als 50.000 Schwarzkittel zur Strecke kommen. Die höchste Wildschweinstrecke betrug 1996 in Hessen rund 44.000 Tiere. Ob der neue Streckenrekord ausreicht, um die Wildschweinpopulation auf eine erträgliche Höhe abzusenken, ist nach Röthers Worten jedoch noch nicht vorhersehbar. Die über 20.000 hessischen Jäger und Förster hofften darauf, dass in diesem Spätwinter eine länger anhaltende Schneelage die Bejagung der Wildschweine noch einmal begünstige.

Für Rückfragen: Klaus Röther, Pressesprecher des Landesjagdverbandes Hessen, Tel. 0641-9504-219 und 0172-6816134

Dr. Klaus Röther

 

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