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Landesjägertag 2010 in Bad Nauheim
Burkhart Prinz: Die Schalenwildstrecken Hessens und ihre Ergebnisse aus dem Jagdjahr 2008/09 |
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Mein Dank gilt wie in jedem Jahr den Anlieferern der Trophäen aus den hessischen Revieren, unserer Bewertungskommission, besonders auch Büroleiterin Neumann von der Geschäftsstelle des LJV Hessen, die die Vermessungsergebnisse per Computer zum Druck brachte und so das enge Zeitfenster der Bewertung erst akzeptabel werden ließ. Herzlich danken möchte ich von dieser Stelle aus auch Staatsministerin Lautenschläger für ihre heutigen Ausführungen. Besonders das Bekenntnis zu „Wald und Wild“ hat uns sehr erfreut, und ich bin der Meinung, dass im LJV nach dieser Rede, frische Kräfte für die Lösung anstehender Aufgaben im Rahmen der Schalenwildbewirtschaftung frei werden. Wir freuen uns auf die sich abzeichnende Intensivierung der Zusammenarbeit. Rehwild Die Rehwildstrecke ist seit etwa 10 Jahren leicht rückläufig. Anhaltspunkte für die Meinung die Rehwildbestände seien hessenweit deutlich abgesunken, gibt es aus der Statistik nicht. Im JJ 2008/09 betrug die Rehstrecke 76.679 Stück. Die Abschüsse in den Staatswaldungen sollen sich nach den Sturmkalamitäten von „Kyrill“ und „Emma“ in den geschädigten und wieder aufgeforsteten Distrikten durchgeführt werden. Fragen muss man sich, warum nach den rückläufigen Verbissbelastungen auf das aufwendige Verfahren zur Verbisserhebung seitens der Landesregierung nicht verzichtet oder aber – wo nötig – nur in begründeten Einzelfällen durchgeführt werden soll, so wie der LJV dies seit einiger Zeit vorschlägt. Fundierte neue Erkenntnisse werden durch das neue Verfahren zur Abschussfestsetzung aus dem Pilotprojekt „Knüll“ erwartet, das nun in seinen zweiten Dreijahres-Plan eintritt. Die Stimmung in der HG ist nach den ersten drei Jahren durchaus zufrieden-zuversichtlich; man muss aber bedenken, dass mit der Führungsperson des HG Leiters auch hier anstehende Probleme beseitigt und die Jägerschaft mit dem Erreichen gesteckter Ziele und damit dem Projekt durchaus positiv gegenüber steht. Dem Vernehmen nach ist eine Zusammenfassung der ersten Dreijahres-Ergebnisse in schriftlicher Form vorgesehen. Damwild Die Strecke pendelte sich in den letzen Jahren zwischen 700 und 1.200 Stück ein, um im abgelaufenen Berichtsjahr auf 1.400 Stück anzusteigen. Es verwundert, dass bei den in Hessen vorkommenden, parkartigen Damwildrevieren des südhessischen Dichteraumes zwischen Frankfurt, Darmstadt, Groß-Gerau und Mörfelden sowie Hanau-Büdingen und im Taunus die Abschussvorgaben erfüllt, z.T. deutlich übertroffen wurden, eine Entwicklung, die deutschlandweit seit einigen Jahren beobachtet wird. Es verwundert nicht, dass bei den engen räumlichen Verhältnissen Südhessens der Hauptanteil des Abschusses beim Damwild in der Jugendklasse, den Hirsch- und Wildkälbern sowie in der Altersklasse 1 und 2 unter Anlegung strenger Maßstäbe erfolgen muss. Beim weiblichen Wild wurden im JJ 2008/09 bei Alttier- und Schmaltier der Abschuss zu nahezu 100 % erfüllt, die Kälberstrecke lag bei über 110 %. In diesen Zahlen spiegelt sich das Bemühen der Hegegemeinschaften wieder, die Bestände in den Griff zu bekommen bzw. zu behalten, zumal der Lebensraum ständig abnimmt. Sehr erfreulich ist das Bild, das uns die Damhirsch-Geweihe an den Wänden bieten: Reife, starke, alte Hirsche zumeist über 8 Jahre und älter. Die Schaufler erreichen mit 8 bis 10 Jahren ihr Optimum in der Geweihentwicklung. Langstangige, wuchtige, ebenmäßige Stangen mit guter Schaufellänge und –breite, geschwungenen Augsprossen, mit guten Mittelsprossen bei guter Enden- und Dornbildung. Muffelwild Das 4. Landestreffen der Muffelwild-Hegegemeinschaften und Sachkundigen fand am 24.10.2009 in Jesberg/Kellerwald statt. Nach der vorletzten Zusammenkunft am 19.04.2004 am Hohen Meißner, in dem es um die Lebensbedingungen einer relativ kleinen, aber gesunden und stabilen Population auf geeignetem Standort ging sowie die Diskussion der im östlichen Meißner-Vorland des aus dem Bereich des Eichsfelds eingewanderten Wildschafe sich um deren Einbindung in eine Hegegemeinschaft drehte, blieb das Muffelwild im Blickwinkel des LJV. Meine Damen und Herren, in Hessen werden derzeit in 14 ausgewiesenen, definierten Muffelgebieten auf etwa 101.000 ha Gesamtlebensraumfläche rund 700 Stück Muffelwild bewirtschaftet. Weitere Wildschafe leben in 8 nicht ausgewiesenen Populationen in einem Zahlenumfang von rund 350 Stück. Diese Vorkommen stehen in keinem lebensräumlichen Zusammenhang; eine Ausweitung der Gebiete ist nicht beabsichtigt. Die Zahlen der hessischen Muffelwild-Jagdstrecke liegen im JJ 2008/09 bei 309 Stück (134 Widder und 175 weiblichen Stücke) am unteren Bereich langjährigen Durchschnitts. Sie kommen zusammen z.T. unter dem Eindruck der Reduzierungsnotwendigkeit infolge Erkrankungen u.a. an Klauenhornhyperplasie, Moderhinke und starker Verwurmung des Wildes mit deutlicher Schwächung der Gesamtkonstitution der Wildkörper; eine intensive Bejagung aller erkrankten Stücke wird hier durchgeführt. Die Zukunft mancher Populationen lässt sich nicht voraussagen, zumal Bewegungsjagden mit Hunden und Versprengung in ferne Außenbereiche ihres angestammten Lebensraumes führen können. Schwarzwild Ihnen, meine sehr geehrten hessischen Jägerinnen und Jäger, ist die enorme Steigerung der Schwarzwildstrecke um 56 % auf eine Höhe von fast 78.000 bekannt; sicherlich darf ich davon ausgehen, dass Ihnen die Diskussion um das Bejagen, man darf für manche Vorschläge sogar den Begriff „Bekämpfen“ wählen, aus zahlreichen Publikationen geläufig ist. Fassen wir zusammen: Es droht nach wie vor der Ausbruch der Schweinepest. Klima, Landwirtschaft und fehlerhafte Bejagung haben zu überhöhten Beständen geführt. Deren Absenkung ist dringenst erforderlich; sie soll natürlich auch dazu beitragen, die Wildschäden durch Schwarzwild auf den Feldern zu reduzieren. Damit dies gelingt, muss der Eingriff in die hohen Schwarzwildbestände mit Nachdruck in der Klasse der Frischlinge und Überläufer sowie in den frühwinterlichen Beständen der nicht führenden Beibachen erfolgen. Das werden wir nur schaffen, wenn wir uns großräumiger revierübergreifender Bewegungsjagen bedienen und gleichfalls die Einzeljagd an jagdrechtskonformen Kirrungen durchführen, an denen mit einer notwendigen Selektion die weiblichen Anteile der Sauenbestände reduziert werden können, damit künftig unter dem Gesichtspunkt einer steileren Alterspyramide ein höheres Alter und niedrigere Nachwuchszuwachsraten in den Rotten zu erwarten sind. Das bundesweite Modellvorhaben von Bauernverband und DJV zur Reduzierung der Schwarzwildschäden in Energiepflanzenbeständen, dessen Projektschwerpunktbereich in Hessen liegt, wird meines Erachtens nur gelingen, wenn letztendlich Landwirte, Jagdgenossenschaften und Jäger zu einer Verantwortungsgemeinschaft zusammenfinden, die neue Wege zu ackerbaulichen und jagdlichen Methoden aufzeigen und auch zu akzeptablen Wildschadensregulierungen beitragen sollten. Rotwild Die Rotwild-Gesamtstrecke JJ 2008/09 liegt in vielen hessischen HG bei einer Abschuss-Erfüllung bei um oder knapp unter 100 %. Ob mit den erreichten Abschusszahlen von 6.174 Stück, davon 2.758 Stück männliches und 3.416 Stück weibliches Wild unsere Jagdstrecke allein auf den Druck der Ampelkarten-Ergebnisse, d.h. nach neuen Schälschadenserhebungen und der ministeriellen Aufforderung nach Handlungsbedarf erreicht wurden, mag von HG zu HG unterschiedlich zu werten sein. Im Überblick hat die hessische Jägerschaft nach einem Absinken der Rotwild-Jagdstecke in den Jahren 2004, 2005 und 2006, die auch im Zusammenhang mit der Forstreform und den personellen Umbesetzungen in vielen Forstdienstbezirken zu sehen ist, es noch nicht geschafft, die hessischen Rotwildbeständen auf einem Niveau sich einpendeln zu lassen, in dem in den Jagdjahren nach 2005 nur der Nachwuchs abgeschöpft werden konnte. In vielen HG stiegen die Bestände infolge des Drucks durch die allgemein unterschätzte Populationsdynamik dieser Wildart auf Höhen an, wie wir sie im letzten Jahrzehnt nicht überall gekannt haben. Ich selbst habe von dieser Stelle aus in diesem Zeitraum einmal sorgenvoll von einem Jahres-Abschuss von etwa 3.400 Stück Rotwild berichten müssen; heute liegen wir bei über 6.100 Stück. Ich rede nicht der Gleichung hohe Schälschäden = überhöhte Rotwildbestände uneingeschränkt das Wort, bin aber der Meinung, dass mehrere Weiser darauf hin deuten, dass unsere Rotwildbestände angewachsen sind. Die großen Aufgaben liegen noch vor vielen unserer Hegegemeinschaften: Die Erhaltung landeskulturell verantwortbarer Rotwildbestände und die Erarbeitung von Lebensraumkonzepten für alle hessischen Rotwildgebiete. In diesem Zusammenhang soll von zwei hessischen Initiativen zur Erstellung eines Lebensraumkonzeptes lobend die Rede sein: Von dem Rotwild-Gebiet Meißner-Kaufunger Wald und vom Rotwildring Rotwildgebiet Spessart. Hier durchgeführten tiefreichenden Analysen wünschen wir die nötigen Durchführungs-Konsequenzen zum Wohle des Wildes und der Landeskultur. Der Lebensraum des Wildes muss zukünftig in allen HG mit Nachdruck in den Mittelpunkt der Betrachtungen und Handlungen rücken. LJV Hessen und Hessen-Forst erarbeiteten zudem in den vergangnen drei Jahren gemeinsam einen „Leitfaden für Rotwild-Hegegemeinschaften“. Wir sind der Meinung, dass die jeweilige örtliche Hegegemeinschaft als Zusammenschluss aller Rotwild-Jagdbezirke den Schlüssel für einen artgerechten und allen Ansprüchen von Hege und Bejagung gerecht werdenden Umgang mit dieser Wildart bildete. Dieser Leitfaden ist mit Sicherheit eine echte Hilfestellung für die Lösung der vielen Aufgaben im Umgang mit dem Rotwild in den einzelnen Hegegemeinschaften. Übersicht Bewertungsergebnisse der Landestrophäenschau 2010
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