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Landesjägertag 2010 in Bad Nauheim
Das Niederwild wird nicht vergessen |
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Rotwild hin, Schwarzwild her – es fand beim Landesjägertag weitgehend Zustimmung, das Niederwild diesmal in den Mittelpunkt der Tagung zu stellen. Der Freitag stand ganz im Zeichen von Hase, Rebhuhn und Fasan. Schon die morgendliche Exkursion erweckte großes Interesse. Am Nachmittag erfolgte zunächst ein Erfahrungsaustausch zum Thema „20 Jahre Feldhasen-Taxation in Hessen“. Nachdem LJV-Naturschutzreferent Rolf W. Becker in seiner Einführung auch mit rund 100 an dieser Aktion beteiligten Revieren eine Zahl nannte, die er für durchaus steigerungsfähig hält, moderierte LJV-Vorstandsmitglied Werner Wittich die Gesprächsrunde, die mit Gerhard Weber, Dr. Johann Pürstl, Adam Hulbert und Norbert Weyland über vielschichtiges Expertenwissen verfügte. Über die Taxationen im „Ronneburger Hügelland“ berichtete Weber, dass man dort die Reviergrenzen überwunden habe und mit vier Zählmannschaften sowie der Beteiligung von Gästen und Presseleuten gute Erfahrungen gemacht habe, um aussagefähige Ergebnisse im Hinblick auf Jagd und Naturschutz zu erhalten, Dr. Johann Pürstl („Feldhasen zwischen Darmstadt und Flughafen“) berichtete über schwierige Hegebedingungen angesichts intensivster Landnutzung durch Spargel- und Erdbeeranbau. Einen angemessenen Hasenbesatz könne man jedoch durch strickte Prädatorenbejagung erreichen, was in seinem Revier auch geschehe. Ganz andere Voraussetzungen schilderte der Winzer und Jagdpächter aus Eltville, Adam Hulbert. Dort mache der Weinanbau besondere Jagdstrategien erforderlich. Wegen der Geländeformationen sei eine Taxation schwierig. Dennoch habe man Methoden und Zählflächen fixiert, um den vorhandenen Wildreichtum zu erfassen, der durch die Begrünung der Rebzeilen positiv beeinflusst wird. Auch hier wird intensive Fuchsbejagung praktiziert. Norbert Weyland knüpfte in seinen Ausführungen an die morgendliche Exkursion an und lobte insbesondere die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Vilbel, auf deren Flächen er viele Hegemaßnahmen realisieren könne. Der Raubwildbejagung widme er viel Zeit. Die seit zwei Jahren von ihm praktizierte Taxation bringe ihm wichtige Erkenntnisse bei der Planung seiner Bejagungsstrategien. Podiumsdiskussion vor breiterem Publikum Mehr und mehr hatte sich der Saal am Nachmittag gefüllt. Zur Podiumsdiskussion im Anschluss an die Expertenrunde begrüßte LJV-Präsident Dietrich Möller verbal und die Bläsergruppe des JC Bad Nauheim musikalisch. Diskussionsleiter Vizepräsident Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann stellte eingangs fest, dass man das Motto „Haben wir unser Niederwild aus dem Blickwinkel verloren?“ angesichts der viel diskutierten Schalenwildprobleme etwas provokant gewählt habe. Es seien aber zur Niederwildhege sehr viele Initiativen ergriffen worden, doch machten gerade der immense Flächenverbrauch und die enormen Freizeitaktivitäten in Feld und Flur auch gut gemeinte und mit viel Herzblut und Schweiß betriebene Maßnahmen zunichte. Das Podium war mit Dr. med. Guido Steinmetz, Norbert Weyland, Dr. Johann Pürstl und Christine Rödlach (FACE Brüssel) kompetent besetzt. Dr. Steinmetz, dessen Familie seit 100 Jahren Jagdpächter in Nieder-Wöllstadt ist, referierte über „50 Jahre Hasenhege im Herzen der Wetterau“. Zusammen mit der Landwirtsfamilie Best habe man seit Jahrzehnten viele hegerische Maßnahmen umgesetzt, um dem Niederwild zu helfen. Dennoch sei der Rückgang der Besätze nicht aufzuhalten und die Frage, ob es eine Umkehr geben kann, beantwortete er negativ. Norbert Weyland und Dr. Johann Pürstl wiederholten im Wesentlichen ihre Ausführungen aus der vorausgegangenen Expertenrunde, wobei Dr. Pürstl auch eine Verstärkung jagdlicher Lobbyarbeit bei der EU in Brüssel forderte. Damit hatte er eine Brücke zu Christine Rödlach geschlagen, die als leitende Mitarbeiterin bei der FACE in Brüssel tätig ist. Die charmante Österreicherin stellte die FACE vor. Dieser Zusammenschluss, von inzwischen 36 europäischen Ländern mit rund sieben Millionen Jägerinnen und Jägern, wurde 1977 gegründet. Die Aufgaben stellen die elf Mitarbeiter immer wieder vor Probleme, denn auch in der EU schliefen die Jagdgegner nicht. Die Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik unter Berücksichtigung heimischer Niederwildarten begleite man seitens FACE kritisch und versuche, entscheidend Einfluss zu nehmen. Im Hinblick auf die verschiedenen Kulturen und Traditionen der einzelnen Mitgliedsländer sei dies nicht einfach. In der EU gäbe es eine Vielzahl von Verordnungen und Richtlinien, die die Jagd direkt oder indirekt beeinflussen. Doch die Interessen von sieben Millionen Menschen, mit deren jagdlichen Aktivitäten 120.000 Vollarbeitsplätze und Umsätze von drei Milliarden Euro verbunden seien, hätten schon Gewicht, so die Referentin, die mit dem Wahlspruch von FACE schloss: „Viele Kulturen, viele Traditionen, eine Leidenschaft: DIE JAGD“. In der anschließenden Diskussion gab es etliche Fragen und auch kritische Anmerkungen, besonders zum Thema „Pflanzenschutzmittel“, doch hatte unser Vizepräsident keine Probleme, die sehr informative und gelungene Nachmittagsveranstaltung abzurunden und zu beschließen. Dieter Liebert |
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