Jahresjagdstrecke 2009 des Landes Hessen

Rotwildstrecke weiter auf hohem Niveau, Rehwildstrecke erstmals leicht steigend, Schwarzwild-, Niederwild- und Raubwildstrecken wieder angestiegen

Die Rotwildstrecke blieb gegenüber dem Vorjahr 2007/2008 nahezu konstant bei einer Abschusserfüllung von 97 %, wobei in den einzelnen Rotwildgebieten zum Teil eine recht unterschiedliche Erfüllung des vorgegebenen Abschuss-Solls zu verzeichnen ist. Auch die Zusammensetzung der Strecke aus 45,7 % männlichen und 54,3 % weiblichen war gegenüber dem Vorjahr nahezu gleich. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Gesamtstrecke an sich mit über 6.000 Stück Rotwild 27 % über der Vorjahresstrecke liegt.

Ob diese Zahl auch gleichzeitig eine absolute Erhöhung des Rotwildbestandes bedeutet, vermag zumindest regional bezogen nicht immer zutreffen. Die große Herausforderung wird in der Zukunft darin liegen, das Rotwild dahingehend zu bewirtschaften, dass es nicht wieder zu solch radikalen Eingriffen wie in den 80/90iger Jahren kommen muss, welche der Sozialstruktur des Rotwildes nicht zum Guten gereicht haben. Inwieweit sich das 2008 neu eingeführte Schälschadenserhebungsverfahren, dass sicher objektivere Werte als das bisherige Verfahren erwarten lässt, und die neue Geschäftsanweisung von Hessen-Forst zur Schalenwildbewirtschaftung, im Hessischen Staatsforst wird immerhin fast 50 % des Rotwildes in Hessen erlegt, auf die weitere Bejagung und damit die Rotwildbestände auswirkt, bleibt mithin abzuwarten. Insbesondere wird dabei die Aufnahme der Schäden im August/September 2009 zu diagnostizieren sein. Dabei gilt es zu beachten, dass die Gleichung hohe Schälschäden = überhöhte Rotwildbestände nicht uneingeschränkt gelten kann und als einzige Maßnahme eine Erhöhung der Abschussvorgaben in Erwägung gezogen werden sollte. In diesem Zusammenhang spielen mangelnde Äsungsmöglichkeit in heranwachsenden Buchenverjüngungen, zunehmende Beunruhigung auch im Wald durch die moderne Freizeitgesellschaft, Fehler in der Jagdstrategie mit intensiver Nachtjagd auf Schwarzwild in Rotwildeinstandsgebieten, Bejagung auf Wildäsungsflächen, wenn überhaupt ausreichend vorhanden, ebenfalls eine Rolle. Auch hieran muss zugunsten der Leitart Rotwild gearbeitet werden.

In Hessen wird das Rotwild in 20 abgegrenzten Rotwildgebieten in regionalen Rotwild-Hegegemeinschaften bewirtschaftet. Um den Rotwild-Hegegemeinschaften bei ihrer Aufgabe Hilfestellung zu leisten, hat der LJV Hessen gemeinsam mit Hessen-Forst einen „Leitfaden für Rotwild-Hegegemeinschaften“ erarbeitet und der Obersten Jagdbehörde zur weiteren Abstimmung zugeleitet. In welcher Form hier eine Übereinstimmung erreicht werden kann, bleibt abzuwarten. Da die jeweilige örtliche Rotwild-Hegegemeinschaft als Zusammenschluss aller Jagdbezirke der Schlüssel für eine artgerechte und allen Ansprüchen gerecht werdende Bejagung und Hege dieser Wildart bildet, wäre die zur Verfügungstellung eines solchen Leitfadens eine Hilfestellung für die vielfältigen Aufgaben der Hegegemeinschaften.

Die Rehwildstrecke war seit 2004 leicht rückläufig. Gegenüber dem „Rekordjahr“ 2003/2004 ist sie um

6 % geringer ausgefallen, jedoch erstmals wieder mit steigender Tendenz. Dafür, dass der Rehwildbestand landesweit erheblich zurückgegangen sei, liegen damit nach der Streckenliste allerdings keine Anhaltspunkte vor. Mithin ist die Rehwildstrecke, im Vergleich zu den Vorjahren, relativ konstant und bedarf keiner grundlegenden Veränderung in der Anzahl. Dabei gilt es zu beachten, dass der Rehwildsabschuss verstärkt auf die durch den Sturm Kyrill im Januar 2007 geschädigten und wieder aufgeforsteten Flächen konzentriert werden sollte. Wegen der seit Jahren rückläufigen Verbissbelastung fordert der LJV seit langem, auf das aufwendige Verbisserhebungsverfahren zu verzichten und dieses nur im Einzelfall durchzuführen. Inwieweit die Vorschläge des LJV von der Landesregierung aufgegriffen werden, bleibt abzuwarten. Zur Gewinnung fundierter Erkenntnisse zu einem neuen Verfahren der Abschussfestsetzung von Rehwild wurde im Rahmen eines Projektes für die Hegegemeinschaft Knüll ein gemeinsamer Abschussplan für das Rehwild auf der Grundlage der Abschussplanung der Hegegemeinschaft auf Widerruf festgesetzt. Das Projekt startete zum 01.04.2007 mit Beginn des neuen 3-jährigen Abschussplanes und endet am 31.03.2010. Innerhalb der Mitglieder der Hegegemeinschaft ist das „Pilotprojekt“ nach wie vor positiv zu bewerten.

Die Schwarzwildstrecke schwankt von Jahr zu Jahr enorm. Dies hat sich auch im Jagdjahr 2008/2009 wieder gezeigt, indem die Strecke gegenüber dem Vorjahr wieder um 56 % auf fast 78.000 Stück angestiegen ist. Die Schwarzwildbestände zeigen darüber hinaus in diesem Jahr weiter steigende Tendenz. Die zunehmend hohen Schwarzwildbestände müssen weiterhin nach wildbiologischen Gesichtspunkten scharf bejagt werden. Dies gelingt nicht ausschließlich im Rahmen von s.g. großräumigen Bewegungsjagden, insbesondere im Staatsforst praktiziert. Der Einzeljagd, auch an jagdrechtskonformen Kirrungen, kommt daher eine nicht zu unterschätzenden Bedeutung zu. Zur Reduzierung von Schwarzwildschäden in Energiepflanzenbeständen läuft darüber hinaus ein bundesweites Modellvorhaben, dass vom Bundeslandwirtschaftsministerium finanziert, gemeinsam vom DJV und Deutschen Bauernverband betrieben wird und in dem modellhaft ackerbaulich und jagdliche Methoden erprobt werden. Ein Schwerpunktbereich dieses Projektes liegt in Hessen. Hilfestellung zu vertraglichen Vereinbarungen über die Wildschadensregulierung bietet schließlich u.a. ein vom LJV Hessen herausgegebener Musterjagdpachtvertrag.

Erfreulich ist, dass der Besatz bei Feldhasen, Kaninchen und Fasanen weiterhin steigende Tendenz aufweist. Dies bestätigen die im Rahmen des Wildtier-Informations-Systems (WILD) gewonnenen Erkenntnisse. Danach ist der Hasenbesatz seit mehreren Jahren stabil bis steigend. In Hessen brachte die Herbstzählung 2008 in 39 Zählgebieten einen durchschnittlichen Hasenbesatz von 20 Hasen pro 100 ha. Dies war somit das beste Hasenjahr seit Beginn der Zählung. Das die Hasenstrecke selbst jedoch gegenüber dem Vorjahr gesunken ist, zeugt einmal mehr davon, dass die Jägerschaft verantwortungsbewusst mit ihrem Hegeauftrag umgeht.

Entsprechend der Niederwildstrecke sind auch die Stecken beim Raubwild wieder angestiegen. Dies trifft insbesondere auf den Waschbär zu, dessen Strecke sich binnen 10 Jahren von rund 4.000 auf 16.616 vervierfacht hat. Wie zahlreiche Beispiele und Untersuchungen belegen, verursachen die Raubwildarten erhebliche Verluste bei den Feldhasen und Bodenbrütern und müssen daher auch zur Eindämmung der Tollwut und des Fuchsbandwurmes weiter intensiv bejagt werden. Dabei sind die von vielen Jagdvereinen und Hegegemeinschaften veranstalteten „Fuchstage“ ein bewährtes Mittel zur Reduktion des Fuchsbesatzes und auch der Waschbären.

AM

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