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Hegetipp August 2010 |
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Revieroberjäger Matthias Roscher, LJV-Lehrrevier Kranichstein |
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Wildwiesen – Äsungsflächen |
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Wildwiesen sind Biotope, Lebensräume, Vernetzungsflächen und Äsungsflächen in unseren Revieren. Der Begriff „Wildwiese“ wird auch als Dauergrünäsungsflächen betitelt. Das Wort Dauergrünäsungsfläche wird von vielen Personen falsch gedeutet. Sie glauben, dass diese Flächen das ganze Jahr Äsung bieten. Es bedeutet aber, dass sich diese Flächen selbst wieder begrünen ohne eingesät zu werden. Auf „unserem Breitengrad“ gibt es eine Vegetationsphase und eine Vegetationsruhe und das besagt, dass im Winter Pflanzen und Pflanzenteile absterben. Somit stehen diese Flächen zu dieser Jahreszeit nicht als Äsungsflächen zur Verfügung. Unter den geographischen und klimatischen Bedingungen Mitteleuropas haben wir im Zeitraum von Mitte Mai bis Mitte Juni die höchsten täglichen Zuwachsraten auf unseren Wiesen zu verzeichnen. Die wüchsigste Periode des Jahres wird abgelöst durch die Sommerdepression, gefolgt von einem zweiten, aber geschwächten Maximum im Herbst. Hierin besteht die Kunst, die Wildwiesen richtig zu bewirtschaften und zu pflegen. Unsere Wildtiere danken es uns. Alte Aufzeichnungen aus Kranichstein zeigen, welche umfangreichen Maßnahmen schon vor 75 Jahren durchgeführt wurden, um die Wildäsungsflächen zu pflegen und somit das Wild richtig zu versorgen. Wiesen sollten regelmäßig geschnitten werden und das Mähgut muss geborgen werden. Wer das Mähgut liegen lässt oder die Flächen mulcht, beeinträchtigt die Attraktivität der Flächen, da eine Verarmung der Krautflora damit einhergeht. Auenböden sind oft feucht und in ihrer Tragfähigkeit somit ungünstig beeinflusst. Schwere Technik sorgt auf diesen Flächen für erheblichen Bodendruck und Verdichtungsschäden. Solche Schäden sind auf Wiesen nicht reparabel. Verdichtungszeiger sind Binsen, Kriechhahnenfuß oder auch die großen Ampferarten. Mäharbeiten sollten somit erst ab der zweiten Julihälfte durchgeführt werden, wenn es trocken ist. Auch fehlerhafte Geräteeinstellungen können Ursachen für Bestandsverschlechterungen sein. So sollte die Schnitthöhe etwa 7 cm betragen. Bei kürzerer Stoppel werden wertvolle Gräser und Kräuter, die ihre Wachstumsreserven neben der Wurzel auch in der Halmbasis speichern (z.B. Deutsches Weidelgras), erheblich geschädigt. Dabei gibt es kaum Unterschiede zwischen den verschiedenen Mähwerktypen. Bei richtiger Einstellung geht auch von Kreiselmäher und Rasenmäher keine besondere Gefahr für die Narbe aus. Auch die übrigen Arbeitsgänge mit Zettern, Schwadern, Pressen oder Ladewagen müssen richtig eingestellt werden, um Narbenschäden zu vermeiden. Sind Schäden an der Narbe entstanden, sollte sofort nachgesät werden. Ich empfehle Kräutermischungen für Blühwiesen. Jeder Revierbesitzer hat Flächen in seinem Revier, die als Wildwiese und somit als Äsungsfläche genutzt werden können. In Feldrevieren sind dies die Graswege, im Waldrevieren sind es die Holzlagerflächen. Wer sich hier scheut, mit den Eigentümern der Flächen Kontakt aufzunehmen und um Erlaubnis zu bitten, diese Flächen in Pflege zu nehmen, dem kann nicht mehr geholfen werden. Diese Flächen werden durch die richtige Pflege zu sehr wertvollen Kleinbiotopen und Äsungsflächen. Alle Wildtiere von Apollofalter bis Rotwild, von Schwarzwild bis hin zum Zitronenfalter sind Nutznießer dieser Flächen. Es wird häufig von Revierinhabern geäußert, sie können nichts machen, da ihnen die Gerätschaften fehlen. Schon der Rasenmäher mit Fangsack oder die Sense und der Rechen können helfen, eine solche Kleinfläche in eine Wildwiese zu verwandeln. Es muss nicht immer die Großfläche sein, die mit großen Traktoren und Geräten bewirtschaftet wird. Rehwild ist kein Rudeltier, welches große Äsungsflächen benötigt. Es liebt solche Kleinflächen, die über das ganze Revier verstreut sind. Der Hase findet hier, selbst im Waldrevier, sein Auskommen. Laktierende Bachen können im Frühsommer, meist morgens, auf solchen Wiesen angetroffen werden. Dort äsen sie wie Kühe das frische Grün. Manch eine Fläche ist stark „verunkrautet“. Hier kann Abhilfe geschaffen werden. Häufiges Mähen, wie man es auch beim Zierrasen macht, nimmt den unerwünschten Kräutern die Vitalität und fördert Gräser. So kann man ökologisch, ohne Spritzmittel anzuwenden, Äsungsflächen schaffen. Nebenbei gesagt: Man sollte sich immer vor Augen halten, dass gut versorgtes Wild weniger Schäden anrichtet und gleichzeitig auch gut konditioniert für schlechte Zeiten gerüstet ist.
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