3. DJV-Bundeswettbewerb im Es-Horn-Blasen - Bericht

am Sonntag, dem 16. Mai 2010 in Weimar/Thüringen


Nach Regensburg und Koblenz fand der 3. DJV-Bundeswettbewerb im Es-Hornblasen auf Einladung des Landesjagdverbandes Thüringen am Sonntag, den 16. Mai 2010, im Weimarhallen-Park in Weimar statt. Nachdem es tagelang zuvor nur geregnet hatte, zeigte sich das Wetter am Sonntag von seiner besseren Seite. Zwar war es für Mitte Mai recht kühl, es blieb aber trocken und ab und an schien auch die Sonne.

Am Vorabend fand in der katholischen Herz-Jesu-Kirche zu Weimar eine stimmungsvolle Hubertusmesse statt, die als ökumenischer Gottesdienst von dem amtierenden Bundessieger, den „Thüringer Jagdhornbläsern e.V.“, unter der Leitung von Thomas Franke, musikalisch gestaltet wurde. Lang anhaltender Applaus am Ende des Gottesdienstes belohnte die ausgezeichnete, kaum zu übertreffende Leistung der Bläser.

Daran anschließend hatte der Veranstalter in die 1. Thüringer Gasthausbrauerei „Felsenkeller“ zu einem Begrüßungsabend für die bereits angereisten Bläsergruppen eingeladen. Die Gaststätte war bis auf den letzten Platz besetzt. Einige Gruppen mussten daher in andere Lokalitäten ausweichen.

Zu dem Wettbewerb hatten sich insgesamt 22 Bläsergruppen aus ganz Deutschland und 2 Gästegruppen aus Österreich und der Schweiz angemeldet. Jede Gruppe musste 2 Pflichtwahlstücke und ein selbstgewähltes Kürstück vortragen (s. HJ 8 u. 11/2009). Von den Wertungsrichtern Hanspach (Sachsen), Oehmig (Baden-Württemberg), Keller (Hessen-Richterobmann-), Willms (Niedersachsen) und Waldherr (Bayern) wurden die einzelnen Vorträge fachkundig bewertet. Neben den Bewertungskriterien „Gesamteindruck“, „Tonreinheit“ und „Notengerechter Vortrag“ wurde erstmalig die „Klangkultur“ als eigenständiges Bewertungsfeld in das Bewertungssystem mitaufgenommen: Das Parforcehorn soll seinen ursprünglichen Klang erhalten, charakterisiert durch raue Urwüchsigkeit, „wild und harzig“ im Wechsel mit Innigkeit und schmeichelnder Sanftheit, weich und anschmiegsam. Diese Änderung hat sich sehr bewährt und wird in die sogenannten „Es-Horn-Richtlinien“ einfließen, deren Überarbeitung im Herbst dieses Jahres ansteht. Breit gefächert war nicht nur das von den Bläsergruppen dargebotene Repertoire mit Stücken deutscher, böhmischer und französischer Jagdmusik, sondern auch die musikalische Qualität der Vorträge.

Am frühen Nachmittag konnte der Präsident des LJV Thüringen Steffen Liebig zusammen mit seinem Stellvertreter Dr. Schäfer und Jürgen Semmelsberger (DJV), nach einem kurzen gemeinsamen Abschlussblasen, die Siegerehrung vornehmen. Bundessieger wurden zum dritten Mal in Folge die „Thüringer Jagdhornbläser“ e.V. mit dem traumhaften Ergebnis von 853 von 855 möglichen Punkten, gefolgt vom „Hegering Harsewinkel“ (NRW) mit 832 Punkten und den Bläsern aus „Alsdorf Hachenburg“ (RLP) mit 831 Punkten.

Aus Hessen haben die Bläsergruppen des Kreisjägervereins Groß-Gerau (Hornmeister Helmut Kraus, 780 Punkte), Jägervereinigung Frankenberg/Eder (Hornmeister Lohmann, 736 Punkte) und der Parforcehornbläserkreis Odenwald (Hornmeister Willi Petersik, 643 Punkte) erfolgreich an dem Wettbewerb teilgenommen. Landesbläserobmann Jürgen Keller gratulierte den hessischen Gruppen herzlich zu den gezeigten Leistungen.

Die Es-Horn-Wettbewerbe werden eine ähnliche Entwicklung nehmen, wie die für das B-Horn in Kranichstein. Waren es dort vor 40 Jahren nur wenige sehr gute Gruppen, erreichen heute in den Klassen A und G die Hälfte der teilnehmenden Bläsergruppen  900 Punkte oder mehr von 975 möglichen.  Zweifellos ein Verdienst der Wettbewerbe.

Aus diesem Grund müssen gerade die Bläsergruppen, die den Wettbewerben kritisch gegenüber stehen und nicht daran teilnehmen, dazu bereit sein, die pädagogische Funktion dieser Veranstaltungen zu erkennen und zu nutzen: Mitmachen wollen - sich motivieren lassen – hinfahren - mitblasen – Erfahrungen sammeln - hören, was die anderen machen – vergleichen -  Bewertungen analysieren und daraus lernen.

Wenn auch diesmal die Anzahl der teilnehmenden Gruppen etwas enttäuschend war, Bayern fehlte komplett, aus BW und SIH war jeweils nur eine Gruppe gekommen, verabschiedete man sich mit dem Wunsch, auch in Zukunft DJV-Bundeswettbewerbe im Es-Hornblasen durchzuführen.

Allerdings sind Veranstaltungen dieser Art  mit hohen Kosten verbunden und erfordern ein Höchstmaß an Organisation und Logistik. Über das Nenngeld alleine kann man solche Wettbewerbe nicht finanzieren. Immer wird ein Großteil der Kosten von DJV und ausrichtendem LJV getragen werden müssen. Dass die Jagdhornbläser dieses wert sind, stellt niemand in Frage, leisten sie doch mit ihren Hörnern und ihrer Musik nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung unseres überlieferten Brauchtums, sondern auch einen erheblichen Anteil an jagdlicher Öffentlichkeitsarbeit.

Der finanzielle Aufwand ist aber nur dann gerechtfertigt und vertretbar, wenn die Basis das Angebot auch annimmt. Deshalb haben es die Jagdhornbläser selbst in der Hand, ob auch in Zukunft solche Großveranstaltungen auf Bundesebene stattfinden werden.

JK
 

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