Zukunft Rebhuhn in „Burggartenlandschaft“ Odenwald

Lebhafte Expertenrunde zum „Tier des Jahres“

Am 31.10.09 trafen sich auf Einladung der Dieburger Jägerschaft im nördlichen Odenwald Vertreter aus dem hessischen Landwirtschaftsministerium, der Forst-, Stadt- und Kreisverwaltung, des Naturschutzes sowie Landwirte und Jäger, um über eine Frage zu diskutieren: Was kann für den Lebensraum und das Wohlergehen des Rebhuhns in dieser Region getan werden? Denn die Bestände des Rebhuhns gehen kontinuierlich zurück. Gründe dafür sind vielfältig: Moderne Produktionsmethoden in der Landwirtschaft mit größer werdenden Ackerflächen und einseitigeren Fruchtfolgen, das Fehlen von Ackerrändern und Altgrasstreifen sowie regelmäßig und früh gemähte Graswege. Auch die starke Zunahme der Fressfeinde des Bodenbrüters wie Fuchs, Wildschwein, Krähe und Raubvogel und eine zunehmende Beunruhigung der Feldreviere durch Erholungssuchende sind als Ursache auszumachen. Dies veranlasste die Dieburger Jägerschaft das Rebhuhn zum „Tier des Jahres 2009/2010“ für die nördliche Odenwald-Region zu wählen.

Um nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln, wurde unter der Projektleitung von Horst Rapp die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert und die Akteure für mögliche Maßnahmen mit „in die Feldflur“ geholt. So geschehen mit rund 30 Experten, die auf Strohballen sitzend mit dem Traktor in die Groß-Bieberauer Gemarkung tuckerten. Dort wurde der Lebensraum des Rebhuhns im Detail besichtigt. Das Feldhinkel trifft in dieser Landschaft noch auf verhältnismäßig gute Bedingungen, weil es in der stark kupierten Landschaft des vorderen Odenwalds noch kleinere Felder mit hoher Grenzliniendichte, verschiedene Fruchtfolgen und Zwischenfruchtanbau, Feldholzinseln und auch von Jägern angelegte und betreute Wildäcker und Blühflächen gibt. Auch die Graswege werden von den Landwirten, wenn überhaupt, erst sehr spät im Jahr gemäht. „Eine Burggartenlandschaft, die dem Rebhuhn noch fast ideale Lebensbedingungen ermöglicht“, so Joachim-Christof Schulze vom Landwirtschaftsministerium. Ähnlich sah es Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann, Vizepräsident des Landesjagdverbandes Hessen, der die vorhandenen Biotopverhältnisse gegenüber denen anderer Regionen wie der mittelhessischen Wetterau mit weitaus ungünstigeren Flächen- und Nutzungsstrukturen und meist fehlenden Brachestreifen als vorbildlich bezeichnete. Der Landwirt Georg Krell warnte denn auch vor den Gefahren, die aus Brüssel kämen: „Mit deren Politik werden mittel- bis langfristig die Kleinflächen auch hier im Odenwald verschwinden!“

Die lebhafte Diskussion machte deutlich, dass die Beteiligten im Wesentlichen in Befund wie in den möglichen Maßnahmen der Biotopgestaltung und der unbedingt notwendigen Bejagung der Beutegreifer übereinstimmten. Denn trotz begrenzter finanzieller Mittel aus öffentlichen Fördertöpfen sei mit Kreativität, Engagement und Dialog der einzelnen Gruppen miteinander eine Menge zu bewegen, u.a. mit sogenannten Ausgleichsflächen für die hiesige Flora und Fauna. Dazu Christian Braun, Vorsitzender der Dieburger Jägerschaft: „Mit abgestimmten Programmen der Landwirte, Jäger, des Landkreises sowie des Naturschutzes lässt sich doch einiges machen. Genau dazu hatte diese Runde einen hohen Informationswert und es konnten einige wichtige Multiplikatoren für dieses Thema gewonnen werden.“

Dieter Göbel

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