|
|
| 4/2009 |
|
Beifuß-Ambrosie
– Eine unliebsame Pflanze breitet sich immer weiter aus |
|
Der durch Vogelfutter und Wildsaatgutmischungen eingeschleppte Neophyt kann schwere Gesundheitsschäden besonders bei Allergikern auslösen |
|
Die
ursprünglich aus Nordamerika stammende Beifuß-Ambrosie (Ambrosia
artemisiifolia), auch „aufrechtes Traubenkraut“ genannt, hat ein
enormes allergenes Potential und kann zu einem echten Albtraum für
Allergiker/innen werden. So kann eine einzige Pflanze bis zu einer
Milliarde hoch allergener Pollen bilden. Die späte Blütezeit von Juli
bis September verlängert zudem noch die Heuschnupfenzeit bis hin zum
Herbst. Aber nicht nur Allergiker/innen sollten sich vor der Beifuß-Ambrosie
in Acht nehmen. Auch Menschen, die bisher von Allergien verschont
geblieben sind, können auf die Pollen reagieren. Außerdem kann der
Kontakt mit den feinen Härchen der Pflanzenstiele zu Hautirritationen und
Ausschlägen führen. Zwar
ist die Beifuß-Ambrosie bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts in
Deutschland bekannt, jedoch konnte sie aufgrund von zu kurzen und kühlen
Sommern nicht dauerhaft Fuß fassen. Durch den Klimawandel könnte sich
dies aber rapide ändern. Wärmere Sommer und mildere Herbste begünstigen
eine rasche Ausbreitung, so dass eine weite Verbreitung in Deutschland
langfristig zu erwarten ist. Stehen
also besonders schwere Zeiten für Heuschnupfen geplagte Menschen an? Um
es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, ist es ratsam, besondere
Vorsicht beim Kauf von Vogelfutter und Wildsaatgutmischungen walten zu
lassen, denn diese sind oft mit Ambrosia-Samen verunreinigt. Da Vögel
diese Samen meist nicht mögen, bleiben sie neben dem Vogelhäuschen liegen
und können so in den Boden gelangen, um im Frühjahr zu keimen. Beim
Kauf von Saatgutmischungen oder Vogelfutter sollte daher auf
Ambrosia-freies Futter geachtet werden. Leider
haben sich aber auch in angeblich geprüften Saatgut- und Futtermischungen
schon Ambrosia-Samen gefunden. Um eine unfreiwillige Aussaat vollständig
auszuschließen bleibt deshalb nur, das Futter durchzusieben. Beim
Vogelfutter können die nur bis zu 3,5 mm großen Samen leicht von den größeren
zum Füttern geeigneten Samen getrennt werden. Auch sollte die Fläche
unter der Futterstelle/dem Vogelhäuschen gut beobachtet werden, um auf
ein Heranwachsen schnell reagieren zu können. Doch Vorsicht:
Ambrosia-Samen können über mehrere Jahrzehnte keimfähig bleiben! Wurde
eine Ambrosia-Pflanze gefunden, sollte diese mit Handschuhen am Besten vor
der Blüte vollständig mit Wurzel herausgerissen und über die Bio-Tonne
entsorgt werden. Wenn die Pflanze ab Juli in Blüte steht, wird
neben Handschuhen auch eine Feinstaubmaske empfohlen. Zum Herausziehen
sollte die Pflanze mit einer reißfesten Kunststofftüte überstülpt
werden. Hier ist allerdings eine Entsorgung über die Restmülltonne
oder durch Verbrennen notwendig,
da nur so die Samen abgetötet werden und nicht wieder zum Keimen kommen können.
Allergiker/innen sollten diese Arbeiten aber nicht selbst durchführen. Die
Beifuß-Ambrosie ist eine recht unscheinbare, meist etwa 100 bis 150 cm
große, einjährige Pflanze ohne auffällige Blüten und daher leicht mit
anderen Arten zu Verwechseln. Charakteristisch für die Beifuß-Ambrosie
ist ein ährenähnlicher männlicher Blütenstand am Ende der Triebe und
ein abstehend behaarter, oft rötlicher Stängel. Die doppelt
fiederteiligen Blätter haben eine grüne Unterseite und unterscheiden
sich dadurch vom Gemeinen Beifuß (Artemisia
vulgaris). Dessen Blätter haben eine weißfilzige Unterseite.
Auch ist eine Verwechslung mit dem Wermut (Artemisia absinthium) möglich.
Die Blätter des Wermuts sind allerdings beidseitig weißfilzig behaart
und dieser strömt zudem einen sehr aromatischen Duft aus. Weißer Gänsefuß
(Chenopodium album) und Grünähriger Amarant (Amaranthus
powellii) können ebenfalls mit der Beifuß-Ambrosie verwechselt
werden. Diese besitzen jedoch keine geteilten Blätter. Die
Beifuß-Ambrosie ist häufig in privaten Gärten zu finden, da sie dort überwiegend
über Vogelfutter eingeführt wird. Doch haben in den letzten 15 Jahren
die Bestände außerhalb von Gärten deutlich zugenommen. So kommt sie
bevorzugt auf lückenhaft bewachsenen Flächen wie Straßen- und Wegränder,
Brachflächen, Erdaufschüttungen, in Neubaugebieten, Pflückblumenfeldern
und Wildwiesen vor. Die Ausbreitung erfolgt zum Einen über Bestände aus
einem Garten heraus, zum Anderen können durch an Bau- und Landmaschinen
anhaftende Samen diese an neue Standorte verschleppt werden. Dort vermehrt
sich dann die Pflanze meist unbemerkt zu beträchtlichen Beständen, die
dann nur noch über massive Bekämpfungsmaßnahmen beseitigt werden können.
Eine schnelle Ausbreitung erfolgt ebenso mit samenhaltigem Erdmaterial, so
dass die Samen über Erdaushubzwischenlager in kurzer Zeit weit verteilt
werden können. Um
einer großflächigen Besiedlung zuvorzukommen, ist es wichtig, Funde von
einzelnen Pflanzen oder größeren Bestände der Beifuß-Ambrosie der
jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung mitzuteilen und um die
Beseitigung zu bitten. |
| zur Startseite |